written on location VIKTORIASTADT

­­­­­In der Filmbranche gibt es den Begriff „on location“. Man findet ihn in Abspännen: „Filmed on location in Los Angeles County, California“. Der Film wurde nicht im Studio, sondern an Originalschauplätzen in L.A. gedreht. Wenn es ein Pendant für die Herstellung eines Romans gäbe, müsste es „written on location“ heißen. VIKTORIASTADT ist „written on location.“ Drei Jahre, von 2001 bis 2004, habe ich in der Spittastraße im Berliner Kiez Victoriastadt gewohnt. (Das c hat mich immer gestört. VIKTORIASTADT sieht einfach „viktorianischer“ aus. Ich werde deshalb im Folgenden nur von Viktoriastadt sprechen.) In dieser Wohnung entstand die Idee zu einer Geschichte, die in den Kellern von Viktoriastadt spielen sollte. Jahre später habe ich sie zur ÖDLAND-Reihe ausgebaut. ­

Auf der Übersichtskarte kann man erkennen, dass eine geografische Besonderheit Viktoriastadt schon immer zu einer Enklave gemacht hat. Die Gründerzeithäuser sind vollständig von S-Bahn-Linien umgeben. In der Endzeit werden die Wälle mit dem Bauschutt der umliegenden Häuser zu massiven Wehranlagen ausgebaut. Viktoriastadt hat also schon immer ein „Verteidigungsring“ umgeben.

Innerhalb der S-Bahn-Wälle herrscht eine eigenartige Atmosphäre, die schwer zu beschreiben ist. Obwohl der Verkehr auf der Marktstraße quer durch das Gebiet rumpelt, ist man vom Rest der Welt abgeschnitten. Man gehört weder zu Friedrichshain noch zu Lichtenberg, scheint sich außerhalb der Realität und in einer anderen Zeit zu bewegen. Ein Ort, wie geschaffen, für eine spannende Geschichte.

WARNUNG: Der Blogeintrag enthält Spoiler. Wer noch nicht alle Bücher der ÖDLAND-Reihe kennt und sie noch genießen möchte, der sollte die Lektüre des Artikels an dieser Stelle abbrechen. WARNUNG ENDE.

19-06-27 Wasserturm am Ostkreuz

Nest der Scharfschützinnen über dem Transitbereich in VIKTORIASTADT

Ortskundige haben es längst erkannt: Der Haupteingang der Enklave Viktoriastadt, den ich in den Romanen Transitbereich oder Gewächshaus nenne, ist natürlich das Ostkreuz. Wie durch ein Wunder ist es in seiner heutigen Form erhalten geblieben. Hier werden Frauen, die sich der Enklave anschließen möchten, einer „Gewissensprüfung“ unterzogen. Die meisten fallen durch, weil die Große Mutter Ödländerinnen grundsätzlich misstraut. Die Abgewiesenen werden in die Ruinen geschickt und ihrem Schicksal überlassen. Überwacht und beschützt wird der Transitbereich vom alten Wasserturm aus. Hier haben sich Viktoriastadts Scharfschützinnen postiert.

19-06-27 Haus der Mütter

Haus der Mütter in VIKTORIASTADT

Das größte Gebäude im Kiez ist auch in der Nachwelt das wichtigste Gebäude der Enklave. Die Deutsche Rentenversicherung (in der Übersicht oben links) wird zum Haus der Mütter. Mir gefällt der Gedanke, dass die trutzburgartige Fassade das positive Image des Mutterhauses ruiniert. Sehr treffend spiegelt die Front den Charakter der Großen Mutter: Unnahbar und verblendet.

19-06-27 Haus der Mütter Ausschnitt

Haus der Mütter – Ostturm

Das „Victoria-Center“ und die Gebäude zwischen Markt-, Hirschberger- und Schreiberhauerstraße gibt es in der Nachwelt nicht mehr. Während der Unruhen wurden sie zerstört. An ihrer Stelle wird der Platz der Viktoria angelegt und die Viktoriastatue errichtet. Die Nike der Siegessäule sollte in den Wirren des Zusammenbruchs vor der Zerstörung bewahrt und „gerettet“ werden. Der Schwertransport erreichte sein Ziel nicht und die goldene Göttin fand auf dem Platz der Viktoria eine neue Heimat.

19-06-27 Ehemaliger Kindergarten

Ehemaliger Kindergarten in VIKTORIASTADT

Ebenfalls ein wichtiges Gebäude der Enklave: Der ehemalige Kindergarten. (In der Übersicht: Schulhaus, Marktstraße 2-4.) Auf dem Hof findet im Fünften Buch die Entscheidungsschlacht zwischen Söldnern und Frauen statt. Hier richten Ruben, der Rote und sein Packesel Martin Unheil an:

»Der Rote wird sich aus Asche und Blut erheben. Wie ein Schnitter wird er unter die Weiber fahren und Knecht Martin wird treu an seiner Seite stehen. Wir zwei Hübschen werden Unheil anrichten. Großes Unheil. Jede Menge Unheil.« (Martin)

19-06-27 Ehemaliger Kindergarten Hintereingang

Ehemaliger Kindergarten – Hintertür

Die Söldner ahnen nicht, dass der Kindergarten ein historischer Ort ist. Im Vierten Buch erfahren wir, wie Hagen fünfzehn Jahre vor der Zuspitzung der Ereignisse, im Kindergarten die sechsjährige Mega fand mit einem blutbedeckten Grabendolch in der Hand. Er entführte sie nicht, er rettete das „auserwählte Kind“ und trug es auf seinen Schultern durch einen „See aus Blut“.

»Wir lassen der Krankheit den Vortritt. Wenn sie ihre Aufmerksamkeit nach vorn richtet, fallen wir ihr in den Rücken.« (Lilith)

Durch die Hintertür dringen Lilith, die weiße Flamme des Matriarchats, Jungschwester Yamini und die linientreuen Schwestern und Soldatinnen in den ehemaligen Kindergarten ein, fallen den Söldnern in den Rücken und geben dem Kampf um Viktoriastadt die entscheidende Wendung.

19-06-27 Megas Turmzimmer im Haus der Mütter

Megas Apartment im Westturm des Mutterhauses – VIKTORIASTADT

Bei ihrer Ankunft in Viktoristadt wird Mega bevorzugt behandelt. Die Große Mutter überlässt ihr die beste Wohnung der Enklave: die obersten Stockwerke im Westturm des Mutterhauses. (Auf der Karte am linken Ende der Hirschbergerstraße.) Mit Dusche und sauberem Bett scheint Mega über den Wolken zu schweben, doch so richtig wohl fühlt sie sich nicht in der neuen Umgebung. Vorbild für Megas Apartment war der als Erweiterungsbau 1953 errichtete, achtgeschossige Turm der Knorr-Bremse AG. Ein auffälliges Gebäude, das die Fantasie anregt. Was verbirgt sich in diesem Turm? Ein Sonnenobservatorium? Ein Dimensionentor? Außerdem würde man natürlich gern dort oben wohnen.

19-06-27 Schrot Totale

Der „Schrot“ am Südrand der Enklave VIKTORIASTADT

Der Schrotkugelturm, von den Schwestern „Schrot“ genannt, (auf der Karte: Nöldenerstraße 15/16) steht tatsächlich, wie im Vierten und Fünften Buch beschrieben, außerhalb der S-Bahn-Wälle und damit außerhalb des Einflussbereiches der Mütter. Wie der Name erkennen lässt, wurde im Schrotkugelturm Schrot hergestellt. Im freien Fall bilden sich nämlich perfekte Kugeln. Heißes Blei wurde in der Turmspitze tropfenweise fallen gelassen, kühlte auf dem Weg nach unten ab und tauchte als perfekte Kugel in ein Wasserbecken.

19-06-27 Schrot mit Liebesnest Ausschnitt

Das „Liebesnest“ im obersten Stockwerk des „Schrot“ – VIKTORIASTADT

Im Fünften Buch lässt Malika, die schwarze Flamme des Matriarchats, Lilith und ihre Anhängerinnen im „Liebesnest“ einsperren. Einem Karzer im obersten Stockwerk des Schrot.

Die verputzten Wände des »Liebesnestes« waren dicht mit Einritzungen bedeckt. Namen, Daten, Schüttelreime und Spottlieder, abstrakte Zeichen, gegenständliche Büsten und filigrane Reliefs. Schwestern und Jungschwestern hatten sie im Laufe der Jahre hinterlassen, um sich die Zeit zu vertreiben. (ÖDLAND Fünftes Buch)

Auf der Karte sind weitere, markante Orte der Enklave VIKTORIASTADT zu finden:

  • Haus der Schwesternschaft: Betonhaus, Türrschmidtstrasse.
  • Wasseraufbereitung: Denkmal Hartungsche Säulen, Stadthausstraße.
  • Eingang zum Gefängnisstollen: Betonhaus „Alte Schmiede“, Spittastraße.
  • Windkraftanlagen und Ställe: Sportstadion und Spielplätze, Kaskelstraße.

ÖDLAND IV Taschenbuch

LUCID DREAMS und Christoph Zachariae freuen sich die Veröffentlichung des vierten Taschenbuches der ÖDLAND-Reihe ÖDLAND Viertes Buch VIKTORIASTADT bekannt geben zu können.

Zur Einstimmung gibt es einen neuen ÖDLAND-Teaser. Wir wünschen spannende Unterhaltung beim Anschauen und Lesen.

In wenigen Tagen beginnt die Leipziger Buchmesse. Für Leserinnen und Leser, die mit dem Gedanken spielen sich das vierte Taschenbuch der ÖDLAND-Reihe zuzulegen, kann sich der Messebesuch lohnen: Es gibt signierte Exemplare zum günstigen Messepreis.

Eine gute Gelegenheit die Buchmesse zu besuchen ist Sonntag, der 18. März 2018. An diesem Tag findet von 14:00 bis 14:30 Uhr in Halle 5 auf der Bühne der Autoren-Gemeinschaftspräsentation die ÖDLAND-Lesung statt, mit Christoph Zachariae (Autor) und Vanida Karun (Hörbuchsprecherin).

Hier geht es zur Facebook-Veranstaltung: ÖDLAND-Lesung.

Aktion im ÖPNV Berlin: Bis Ende März sind in den Berliner S-Bahnen ÖDLAND-Poster zu finden.

18-01-02 A2 ÖDLAND Trainposter KLEIN B

ÖLDAND-Poster

Wer ein ÖDLAND-Poster entdeckt und ein Foto des Posters auf Facebook teilt (gerne mit Link zur LUCID DREAMS Facebook-Seite) bekommt ein signiertes ÖDLAND IV Taschenbuch geschenkt. Postest Du das Bild vor der Buchmesse und besuchst die ÖDLAND-Lesung, am Sonntag, den 18.03. von 14:00 – 14:30 Uhr, bekommst Du Dein signiertes Exemplar direkt auf der Buchmesse.

In den Berliner S-Bahnen lohnt es sich also, genau wie im ÖDLAND, die Augen offen zu halten, denn:

„Wir sind die Unsichtbaren. Wer uns sieht, gehört zu uns.“

Hier eine Zusammenstellung der Sichtungen:

Viertes Buch VIKTORIASTADT

17-12-21 ÖDLAND Viertes Buch Cover

Wo sind die Unsichtbaren?

Es ist so weit: ÖDLAND Viertes Buch Viktoriastadt, der vierte Band der fünfteiligen Endzeit-Thriller-Reihe ÖDLAND, ist als E-Book erschienen. Die Taschenbuchausgabe folgt im Februar 2018.

»Wir sind die Unsichtbaren. Wer uns sieht, gehört zu uns.«

Wer genau hinsieht, kann auf dem Cover Unsichtbare entdecken. Wie viele Unsichtbare findest Du auf dem Cover?

Poste die Antwort auf Facebook!

Unter allen Leserinnen und Lesern, die die richtige Antwort bis zum 31.12.2017 dort oder hier auf dem Blog gepostet haben, verlost LUCID DREAMS drei signierte Taschenbücher der brandneuen Erstausgabe des vierten Buches.

Und nun wünschen LUCID DREAMS und Christoph Zachariae Dir ein spannendes Leseerlebnis in den stillen Nächten des Ödlands mit ÖDLAND Viertes Buch Viktoriastadt.

17-12-24 Ausschnitt Close Mega

Titelschutz Viktoriastadt

Die Arbeit am Cover ist beendet. In zwei Tagen wird ÖDLAND IV veröffentlicht.

Gelegenheit eine Anekdote zum Thema gesundes Selbstvertrauen versus realistische Aufwandseinschätzung zu erzählen:

Ein äußerst lästiges Thema ist der Titelschutz. Da hat man nun jahrelang hart gearbeitet und muss drei Tage vor der Veröffentlichung feststellen, dass der wohlgehütete, geheimnisumwitterte Titel des großartigen Werkes zwischenzeitlich einen anderen Abnehmer gefunden hat. Was nun? Pech gehabt? Die Konkurrenz war eben schneller?

Im Prinzip ist es so. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das alte Mühlengesetz, das im Mittelalter die Reihenfolge der Bauern an der Mühle regelte, gilt noch immer. Einen gewissen, juristischen Schutz bietet der Titelschutzanzeiger. Wobei der „Schutz“ tatsächlich eher eine Beruhigung des eigenen Gewissens ist, als ein tatsächlicher Schutz. Ein Verfahren z.B. gegen einen Fernsehsender anzustrengen, ist wenig erfolgversprechend, da man als Autor bereits mit der ersten Rate der Anwaltskosten die gesamte Existenz aufs Spiel setzen müsste.

17-12-22 Titelschutz ÖDLAND Viktoriastadt Ausschnitt KLEIN

Eintragung Titelschutz VIKTORIASTADT

In der Planung für die ÖDLAND-Reihe wollte ich also mein Gewissen beruhigen, habe Titelschutz für VIKTORIASTADT beantragt und ihn erhalten. Für schlappe 220 € (im Preis ist selbstverständlich kein Rechtsschutz enthalten) kann man seinen Titel in den Titelschutzanzeiger aufnehmen lassen. Ich war sehr stolz, als ich die Ankündigung sah. Aus meinem Mut und meiner konsequenten Handlungsweise erwuchs ein Gefühl, als hätte ich das Buch bereits geschrieben. Ich befand mich in bester Gesellschaft: Kaiserinnen, Haie, höllische Schönheits-OPs. Eine Art Querschnittslähmung des deutschen Geistes.

17-12-13 Titelschutz ÖDLAND Viktoriastadt

Titelschutzanzeiger komplette Seite

Der Witz an der Geschichte: Der Titelschutz im Titelschutzanzeiger gilt nur für sechs Monate. Man beachte das Datum am oberen Rand des Anzeigers: 30. August 2011. Ich war damals tatsächlich guter Hoffnung den Roman Ende 2011 beendet, und veröffentlicht zu haben. Wohlgemerkt die gesamte ÖDLAND-Geschichte. So viel zum Thema realistische Aufwandseinschätzung.

Es sollte anders kommen. Erst jetzt, sechs Jahre später, nehme ich den Titel in Anspruch. Sechs Jahre in dem Wissen, dass er mir jederzeit vor der Nase weggeschnappt werden könnte. Sechs Jahre, in denen ich diese Sorge nicht auszusprechen wagte.

Ich wünsche Dir entspannte Feiertage voll spannender Lektüre und hoffe natürlich, dass Viktoriastadt einen Weg in Dein Herz finden wird.

Fotoshooting für ÖDLAND IV Cover

17-06-20 Nessa Bein nach rechts böse 01

Louise Kappius als Nessa

Im Juni habe ich an der 3. Überarbeitung von ÖDLAND IV weitergearbeitet und Kapitel 49 (von 71) erreicht. Wir liegen damit weiter im Zeitplan. Außerdem konnte ich im Juni endlich das lang geplante Fotoshooting für das ÖDLAND IV Cover realisieren.

Nach Sichtung der Vorschläge von Berliner Kindercastingagenturen und einer Reihe von Vorgesprächen mit Kandidatinnen und ihren Müttern habe ich mich schließlich für Louise Kappius von der Agentur KINOKIND (Beate Kurecki) entschieden. Sie gehörte von Beginn an zu meiner engeren Auswahl. Testfotos konnten mich schließlich überzeugen.

17-06-22 Patinierdienst

Patinierdienst

Sie besitzt die Verletzlichkeit und die Wandlungsfähigkeit, die ich mir für die Figur Nessa gewünscht habe.

Nachdem die Rolle besetzt war, konnte ich mich um das Kostüm kümmern. Louise besaß eine Reihe ausrangierter Kleider. Wir entschieden uns für ein weißes Kleid, was im nächsten Schritt auf alt getrimmt werden musste.

17-06-22 Kostümprobe

Kostümprobe

Es sollte nicht zu dreckig und zerschlissen aussehen, denn Nessa achtet in der Geschichte auf ihre Sachen, wäscht das Kleid regelmäßig mit Pfützenwasser und repariert es mit Klebeband. Für schmutzige Kostüme gibt es in Berlin eine Spezialistin: Sabine Kubat vom PATINIERDIENST.

17-06-22 Kostüm mit Patina

Kleid mit Patina

Wer sein Kostüm in einem vorher genau definierten Grad professionell patinieren lassen möchte, der ist bei ihr an der richtigen Adresse. Von ihr stammt die Idee, dass die Kinder ihre Kleidung mit Klebeband reparieren, außerdem hat sie die Knöpfe ausgetauscht und große und kleine hinzugefügt.

Model und Kostüm waren organisiert, fehlte nur noch die Location. Dieser Punkt entpuppte sich als schwieriger, als zunächst gedacht. Ich hatte eine Reihe von Orten im Kopf, an denen ich bereits Shootings gemacht hatte. Unter anderem die verfallene Brauerei, in der die Fotos für das ÖDLAND I Cover entstanden sind. Das Problem: Für verfallene Gebäude gibt es in den meisten Fällen keinen Ansprechpartner. Niemand fühlt sich zuständig und im Zweifelsfall überwiegen Sicherheitsbedenken. Eine Genehmigung zu bekommen ist so gut wie aussichtslos.

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Rundlokschuppen, Blick von der Autobahn, Foto: J. Schallenberg

Die Suche in Friedrichshain blieb ergebnislos. Schließlich verabschiedete ich mich von der Idee des ranzigen Hinterhofs und dehnte meine Recherche auf ganz Berlin aus. Unter anderem sah ich mir das Kinderkrankenhaus Weißensee (Hansastr. Ecke Buschallee) an. Hier gab es die Durchblicke, nach denen ich suchte, doch der verfallene Komplex ist extrem marode und eher eine Halde, als eine Location.

Schließlich entschied ich mich für den alten Rundlokschuppen am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf. Seit ich in Berlin lebe, (immerhin bereits seit 15 Jahren,) denke ich, jedes Mal, wenn ich auf dem Autobahnzubringer Berlin in Richtung Norden verlasse, (oder von dort zurückkomme,) dass ich mir dieses geheimnisvolle, runde Gebäude endlich mal aus der Nähe ansehen will.

17-06-22 Außen 01

Zugewachsener Lokschuppen

Gedacht, getan. Fünfzehn Jahre später stand ich also vor dem alten DDR-Rundlokschuppen, der ein Drehkreuz zum Rangieren und Platz für zweihundert Lokomotiven hat. Mindestens. Das Ding ist gewaltig.

Ich hatte zunächst Bedenken, was den Zugang zur Halle angeht, doch das Tor steht offen und sämtliche Zäune, die den Schuppen mal umgeben hatten, waren entfernt worden. Man konnte problemlos mit dem Auto vorfahren.

Der Sonntag des Shootings nahte. Das Wetter war perfekt, wolkenlos und windstill. Nachdem Louise, ihre Mutter Judith und Sarah Huzel, die Maskenbildnerin, eingetroffen waren, habe ich das Equipment durch ein offenes Fenster in die Halle gewuchtet.

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Set mit 20 x 20 Butterfly, Foto: J. Schallenberg

Mit einem 20 x 20 Butterfly nahm ich dem Sonnenlicht die Härte. Ein Reflektor sorgte für Aufhellung und Augenlicht.

Sarah Huzel, die Maskenbildnerin, passte das Kind in Schmutzigkeit und Farbton an das präparierte Kleid an, während sich Louise selbstständig mit einem Eyeliner kryptische Tattoos auf die Finger malte.

Ich begann das Shooting mit einer Reihe von Details: Hände, Füße, kaputte Stellen am Kleid und ungewöhnlichen Perspektiven, die auf dem Cover nicht zu sehen sein werden, aber für die Arbeit des Coverdesigners Colin M. Winkler wichtig sind. Auf ihnen werden Texturen besser sichtbar, wie z.B. die des Kreidepulvers auf der Haut.

17-06-22 Louise in der Maske

Louise in der Maske

Im Anschluss machte ich Fotos in allen Körperhaltungen und Emotionen, die uns interessant erschienen. Von lauernd bis verlassen. Ich bin noch unentschlossen, was den Ausdruck angeht, der am Ende auf dem Cover von ÖDLAND IV zu sehen sein soll. Ein drohender Blick ist spannend, aber die dargestellte Figur soll nicht unsympathisch wirken. Es geht eher um Verlorenheit, das Gefühl der Schutzlosigkeit und die Gewissheit sich auf niemanden verlassen können. Die hinterhältigen Tricks verwilderter Kinder in der Stille der Nachwelt.

17-06-22 Maske Sarah Huzel

Maskenbildnerin Sarah Huzel

Hatten wir die Halle in den ersten Stunden noch für uns, begann am Nachmittag ein wahrer Ruinentourismus. Parallel zum Shooting beschallte uns eine Gruppe mit übersteuerter Musik, während eine andere eine Choreografie für ein Musikvideo probte. Ein dritter Personenkreis gab sich Nachhilfe in tantrischen Fesselkünsten. Das passte alles nicht so wirklich zusammen, war aber erstaunlich unproblematisch.

Im Vorfeld bereiteten mir diverse Dinge Sorgen: Wird das Tor der Location wirklich offen sein? Kommt die Maske auch pünktlich? (Langer Anfahrtsweg.) Ist das Kind gesund? (Am Tag vorher noch im Krankenhaus.) Etc. Im Nachhinein stellten sich meine Bedenken als unbegründet heraus. Alles klappte wie am Schnürchen und ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich. Ich möchte mich bei allen Beteiligten noch einmal ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken.

17-06-22 Louise mit Stern

„Folge dem Stern!“ Foto: J. Schallenberg

Ich werde die Fotos in den kommenden Wochen an dieser Stelle posten. Als treueR ÖDLAND-LeserIn kannst Du uns wieder bei der Covergestaltung unterstützen und uns Deine Meinung zu den Fotos sagen.

Fotoshooting ÖDLAND IV Cover:

  • Agentur: KINOKIND Beate Kurecki
  • Patinierung Kostüm: PATINIERDIENST Sabine Kubat
  • Location Scout: Boris Kraschin
  • Maske: Sarah Huzel
  • Equipment: LFB Lichtforum Berlin
  • Location: Rundlokschuppen S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf
  • Set Fotos: Judith Schallenberg
  • Model: Luise Kappius
  • Produktion / Fotos: LUCID DREAMS Christoph Zachariae
17-06-22 Maschine

Maschine im Lokschuppen

ÖDLAND Viertes Buch Viktoriastadt

Die zweite Überarbeitung von ÖDLAND IV wurde im Mai beendet. Mit der dritten habe ich begonnen und Kapitel 14 (Seite 92) erreicht. Damit liegen wir im Zeitplan.

Allmählich bekommt der Text den notwendigen Flow und die Kapitel beginnen sich zu einer organischen Masse zusammenzuziehen. Tote Worte besitzen plötzlich beunruhigendes Eigenleben. Bis Kapitel 11 gibt es eine kontinuierlich ansteigende Spannungskurve, die sich in einem emotionalen Moment entlädt. Der Schlüssel zu dieser Szene ist ein alter Bekannter, eine vergessene Requisite. Ich war mir immer sicher, dass ich sie irgendwann brauchen würde. Ursprünglich war sie für etwas ganz anderes geplant, doch an der eingesetzten Stelle funktioniert sie ausgezeichnet. Und wieder zeigt sich: Es gibt eine Zeit zum Säen und eine Zeit zum Ernten.

Ich habe den Mai außerdem genutzt, um mir über Berliner Kindercastingagenturen Mädchen für das ÖDLAND IV Cover anzusehen. Meine Auswahl konnte ich auf drei finale Kandidatinnen eingrenzen. Das letzte Mädchen sehe ich mir an diesem Wochenende an, und – wenn nichts dazwischen kommt – wird bereits ein Wochenende später das Shooting stattfinden. Das Beitragsbild zeigt ein Testfoto von Olivia in der Rolle der Nessa. Stell Dir vor, sie hätte Kreide in der Hand und säße in einem blauen Kreidestern.

Mit der Dramaturgin Karin Ostertag habe ich ebenfalls gesprochen. Sie ist bei ÖDLAND IV wieder mit an Bord, was mich sehr freut, denn niemand hat einen so guten und tiefen Einblick in Story und Figuren, wie sie und niemand weiß besser, wann man mir auf die Finger hauen muss.

Das Korrektorat für ÖDLAND IV werde ich neu ausschreiben. Es ist noch zu früh darüber zu sprechen, doch in Prinzip bin ich auf der Suche nach einer Korrektorin bzw. einem Korrektor. Angebote für 700 Seiten (800 Normseiten) werden ab sofort entgegengenommen. Falls jemand jemanden kennt, kann der Post gern weitergeleitet werden. Ich werde zu gegebener Zeit und an geeigneterer Stelle noch eine richtige Ausschreibung posten.

2. Fassung ÖDLAND IV (fast) beendet

Status ÖDLAND Viertes Buch Viktoriastadt: Version 2 (fast) beendet. 

Ich habe Kapitel 62 (von 68) erreicht. Anfang Mai folgen die letzten sechs Kapitel der ersten Überarbeitung. Der Zeitplan für ÖDLAND IV sieht folgendermaßen aus:

  • Juni + Juli 2017: Version 03.
  • August 2017: Version 04.
  • September 2017: Testlesung + Lektorat.
  • Oktober 2017: Version 05.
  • Nov. 2017: Korrektorat.
  • Dezember 2017: Konvertierung E-Book + Satz Printfassung.
  • Ende Dez. 2017: Veröffentlichung ÖDLAND IV E-Book.
  • Januar 2018: Veröffentlichung ÖDLAND IV Printfassung.

Die Zeiträume für die Überarbeitungen sind der Länge des Buches geschuldet. Obwohl ich bereits über hundert Seiten streichen konnte, ist ÖDLAND IV immer noch knapp 700 Seiten lang. Richtig konsequent habe ich den Rotstift noch nicht angesetzt, dieser Arbeitsschritt folgt erst in der dritten Fassung. An verschiedenen Stellen werde ich dann entscheiden müssen, ob Kapitel „nur“ stimmungsvoll sein dürfen. Das sind dann genau die Urteile, die man eigentlich nie fällen wollte. Ich werde von Fall zu Fall abwägen. Auch ein Moment des „Durchatmens“ liest sich bisweilen gut, manchmal sogar besser als stringentere Kapitel.

Viele Kapitel haben bereits eine gute Dichte erreicht. Mich fasziniert immer wieder aufs Neue, dass die Stärken eines Textes erst zum Vorschein kommen, wenn man die richtigen Stellen weglässt. Obwohl der Text kürzer wurde, liest er sich plötzlich vollständiger und präziser. Was einen gerade noch kalt ließ, zieht einen plötzlich ins Geschehen.

Außerdem konnte ich in der Zwischenzeit erste Testfotos für das Cover von ÖDLAND IV machen. Die elfjährige Tochter einer Bekannten hat verschiedene Körperhaltungen und Blicke für mich ausprobiert. Das Kind auf dem Cover soll auf den ersten Blick wie ein Opfer aussehen, erst auf den zweiten Blick soll man erkennen, dass es ein Lockvogel ist. Coverartist Colin M. Winkler und ich bevorzugen deshalb den direkten Blick zum Betrachter. In den Schatten hinter dem Mädchen sollen sich nämlich weitere Kinder verstecken. Gäbe es keinen direkten Blick, könnte man auf die Idee kommen, dass die versteckten Kinder dem Mädchen im Vordergrund auflauern, aber es handelt sich natürlich um Mitstreiter. Der Betrachter ist in „Gefahr“, nicht das Mädchen.

Im Mai sehe ich mir weitere Kandidatinnen an und werde mich dann entscheiden, wer auf dem Cover von ÖDLAND IV zu sehen sein soll. Sobald die Entscheidung gefallen ist, werde ich an dieser Stelle natürlich Fotos vom Shooting posten.

Mit der Arbeit am Cover beginnt ÖDLAND IV, Wirklichkeit zu werden. Es wird ernst.

Wie Du evtl. gemerkt hast, habe ich den Rhythmus meiner Blogeinträge geändert. Ab sofort poste ich an dieser Stelle immer am Monatsende den aktuellen Status der ÖDLAND-Reihe.