written on location VIKTORIASTADT

­­­­­In der Filmbranche gibt es den Begriff „on location“. Man findet ihn in Abspännen: „Filmed on location in Los Angeles County, California“. Der Film wurde nicht im Studio, sondern an Originalschauplätzen in L.A. gedreht. Wenn es ein Pendant für die Herstellung eines Romans gäbe, müsste es „written on location“ heißen. VIKTORIASTADT ist „written on location.“ Drei Jahre, von 2001 bis 2004, habe ich in der Spittastraße im Berliner Kiez Victoriastadt gewohnt. (Das c hat mich immer gestört. VIKTORIASTADT sieht einfach „viktorianischer“ aus. In werde deshalb im Folgenden nur von Viktoriastadt sprechen.) In dieser Wohnung entstand die Idee zu einer Geschichte, die in den Kellern von Viktoriastadt spielen sollte. Jahre später habe ich sie zur ÖDLAND-Reihe ausgebaut. ­

Auf der Übersichtskarte kann man erkennen, dass eine geografische Besonderheit Viktoriastadt schon immer zu einer Enklave gemacht hat. Die Gründerzeithäuser sind vollständig von S-Bahn-Linien umgeben. In der Endzeit werden die Wälle mit dem Bauschutt der umliegenden Häuser zu massiven Wehranlagen ausgebaut. Viktoriastadt hat also schon immer ein „Verteidigungsring“ umgeben.

Innerhalb der S-Bahn-Wälle herrscht eine eigenartige Atmosphäre, die schwer zu beschreiben ist. Obwohl der Verkehr auf der Marktstraße quer durch das Gebiet rumpelt, ist man vom Rest der Welt abgeschnitten. Man gehört weder zu Friedrichshain noch zu Lichtenberg, scheint sich außerhalb der Realität und in einer anderen Zeit zu bewegen. Ein Ort, wie geschaffen, für eine spannende Geschichte.

WARNUNG: Der Blogeintrag enthält Spoiler. Wer noch nicht alle Bücher der ÖDLAND-Reihe kennt und sie noch genießen möchte, der sollte die Lektüre des Artikels an dieser Stelle abbrechen. WARNUNG ENDE.

19-06-27 Wasserturm am Ostkreuz

Nest der Scharfschützinnen über dem Transitbereich in VIKTORIASTADT

Ortskundige haben es längst erkannt: Der Haupteingang der Enklave Viktoriastadt, den ich in den Romanen Transitbereich oder Gewächshaus nenne, ist natürlich das Ostkreuz. Wie durch ein Wunder ist es in seiner heutigen Form erhalten geblieben. Hier werden Frauen, die sich der Enklave anschließen möchten, einer „Gewissensprüfung“ unterzogen. Die meisten fallen durch, weil die Große Mutter Ödländerinnen grundsätzlich misstraut. Die Abgewiesenen werden in die Ruinen geschickt und ihrem Schicksal überlassen. Überwacht und beschützt wird der Transitbereich vom alten Wasserturm aus. Hier haben sich Viktoriastadts Scharfschützinnen postiert.

19-06-27 Haus der Mütter

Haus der Mütter in VIKTORIASTADT

Das größte Gebäude im Kiez ist auch in der Nachwelt das wichtigste Gebäude der Enklave. Die Deutsche Rentenversicherung (in der Übersicht oben links) wird zum Haus der Mütter. Mir gefällt der Gedanke, dass die trutzburgartige Fassade das positive Image des Mutterhauses ruiniert. Sehr treffend spiegelt die Front den Charakter der Großen Mutter: Unnahbar und verblendet.

19-06-27 Haus der Mütter Ausschnitt

Haus der Mütter – Ostturm

Das „Victoria-Center“ und die Gebäude zwischen Markt-, Hirschberger- und Schreiberhauerstraße gibt es in der Nachwelt nicht mehr. Während der Unruhen wurden sie zerstört. An ihrer Stelle wird der Platz der Viktoria angelegt und die Viktoriastatue errichtet. Die Nike der Siegessäule sollte in den Wirren des Zusammenbruchs vor der Zerstörung bewahrt und „gerettet“ werden. Der Schwertransport erreichte sein Ziel nicht und die goldene Göttin fand auf dem Platz der Viktoria eine neue Heimat.

19-06-27 Ehemaliger Kindergarten

Ehemaliger Kindergarten in VIKTORIASTADT

Ebenfalls ein wichtiges Gebäude der Enklave: Der ehemalige Kindergarten. (In der Übersicht: Schulhaus, Marktstraße 2-4.) Auf dem Hof findet im Fünften Buch die Entscheidungsschlacht zwischen Söldnern und Frauen statt. Hier richten Ruben, der Rote und sein Packesel Martin Unheil an:

»Der Rote wird sich aus Asche und Blut erheben. Wie ein Schnitter wird er unter die Weiber fahren und Knecht Martin wird treu an seiner Seite stehen. Wir zwei Hübschen werden Unheil anrichten. Großes Unheil. Jede Menge Unheil.« (Martin)

19-06-27 Ehemaliger Kindergarten Hintereingang

Ehemaliger Kindergarten – Hintertür

Die Söldner ahnen nicht, dass der Kindergarten ein historischer Ort ist. Im Vierten Buch erfahren wir, wie Hagen fünfzehn Jahre vor der Zuspitzung der Ereignisse, im Kindergarten die sechsjährige Mega fand mit einem blutbedeckten Grabendolch in der Hand. Er entführte sie nicht, er rettete das „auserwählte Kind“ und trug es auf seinen Schultern durch einen „See aus Blut“.

»Wir lassen der Krankheit den Vortritt. Wenn sie ihre Aufmerksamkeit nach vorn richtet, fallen wir ihr in den Rücken.« (Lilith)

Durch die Hintertür dringen Lilith, die weiße Flamme des Matriarchats, Jungschwester Yamini und die linientreuen Schwestern und Soldatinnen in den ehemaligen Kindergarten ein, fallen den Söldnern in den Rücken und geben dem Kampf um Viktoriastadt die entscheidende Wendung.

19-06-27 Megas Turmzimmer im Haus der Mütter

Megas Apartment im Westturm des Mutterhauses – VIKTORIASTADT

Bei ihrer Ankunft in Viktoristadt wird Mega bevorzugt behandelt. Die Große Mutter überlässt ihr die beste Wohnung der Enklave: die obersten Stockwerke im Westturm des Mutterhauses. (Auf der Karte am linken Ende der Hirschbergerstraße.) Mit Dusche und sauberem Bett scheint Mega über den Wolken zu schweben, doch so richtig wohl fühlt sie sich nicht in der neuen Umgebung. Vorbild für Megas Apartment war der als Erweiterungsbau 1953 errichtete, achtgeschossige Turm der Knorr-Bremse AG. Ein auffälliges Gebäude, das die Fantasie anregt. Was verbirgt sich in diesem Turm? Ein Sonnenobservatorium? Ein Dimensionentor? Außerdem würde man natürlich gern dort oben wohnen.

19-06-27 Schrot Totale

Der „Schrot“ am Südrand der Enklave VIKTORIASTADT

Der Schrotkugelturm, von den Schwestern „Schrot“ genannt, (auf der Karte: Nöldenerstraße 15/16) steht tatsächlich, wie im Vierten und Fünften Buch beschrieben, außerhalb der S-Bahn-Wälle und damit außerhalb des Einflussbereiches der Mütter. Wie der Name erkennen lässt, wurde im Schrotkugelturm Schrot hergestellt. Im freien Fall bilden sich nämlich perfekte Kugeln. Heißes Blei wurde in der Turmspitze tropfenweise fallen gelassen, kühlte auf dem Weg nach unten ab und tauchte als perfekte Kugel in ein Wasserbecken.

19-06-27 Schrot mit Liebesnest Ausschnitt

Das „Liebesnest“ im obersten Stockwerk des „Schrot“ – VIKTORIASTADT

Im Fünften Buch lässt Malika, die schwarze Flamme des Matriarchats, Lilith und ihre Anhängerinnen im „Liebesnest“ einsperren. Einem Karzer im obersten Stockwerk des Schrot.

Die verputzten Wände des »Liebesnestes« waren dicht mit Einritzungen bedeckt. Namen, Daten, Schüttelreime und Spottlieder, abstrakte Zeichen, gegenständliche Büsten und filigrane Reliefs. Schwestern und Jungschwestern hatten sie im Laufe der Jahre hinterlassen, um sich die Zeit zu vertreiben. (ÖDLAND Fünftes Buch)

Auf der Karte sind weitere, markante Orte der Enklave VIKTORIASTADT zu finden:

  • Haus der Schwesternschaft: Betonhaus, Türrschmidtstrasse.
  • Wasseraufbereitung: Denkmal Hartungsche Säulen, Stadthausstraße.
  • Eingang zum Gefängnisstollen: Betonhaus „Alte Schmiede“, Spittastraße.
  • Windkraftanlagen und Ställe: Sportstadion und Spielplätze, Kaskelstraße.

Making-of ÖDLAND V Cover-Shooting

In einem Hinterhof zwischen Ostkreuz und Rummelsburger Bucht, der als Lkw-Vermietung, Fahrradwerkstatt, Club und Abstellplatz für Tiny Houses genutzt wird, entstanden in dieser Woche die Fotovorlagen für das ÖDLAND V Cover.

18-11-29 Mega frontal Totale modellike

Dreadlock-Model Lenaig Hemonet als Mega Sorsha Devi

Wer LUCID DREAMS und die Arbeit an der ÖDLAND-Reihe verfolgt, der weiß, dass die Fotos keine Endprodukte darstellen, sondern den Auftakt zu einer detailgetreuen, grafischen Nachbildung der Figur, einer langsamen Annäherung an das finale Motiv. Der Coverdesiger Colin M. Winkler wird Elemente einzelner Fotos kombinieren und einen neuen Hintergrund einfügen.

Wie im letzten Beitrag angedeutet, möchten wir Mega auf dem Cover des fünften Buches allein und von vorn zeigen, die Augen direkt auf den Betrachter gerichtet.

18-11-29 Mega vh offene Dreadlocks

Mega mit offenen Dreadlocks

Leser und Leserinnen sollen unmittelbar mit Megas innerem Konflikt konfrontiert werden. Die Zerrissenheit der Hauptfigur spiegelt sich in ihrer „Kriegsbemalung“ aus Blut und Asche. Sie wird nicht so extrem ausfallen, wie im ersten Test, denn Gesicht und Stern sind wichtiger als die Kriegsbemalung. Ich poste in einem der nächsten Beiträge eine Auswahl an Fotos.

18-11-29 Mega auf Schwimmpanzer Beine baumeln Totale KLEIN

Mega auf dem Schwimmpanzer

Wie es der Zufall wollte, stand auf dem Hinterhof ein interessantes Amphibienfahrzeug. Der verrottete Schwimmpanzer soll angeblich noch  fahrtüchtig sein, jede Menge Diesel verbrauchen und sogar mit Rapsöl fahren (!). Das Ungetüm hat mich an das Gefährt aus dem Kapitel Funkstille (ÖDLAND Erstes Buches DER KELLER) erinnert: Der brennende, schwarze Koloss, der Mega auf der Autobahn überholt. Ich nutzte die Gelegenheit und ließ Mega die Sonne auf dem Dach genießen.

18-11-29 Mega auf Schwimmpanzer Beine baumeln Nah

Die Große Schwester genießt die Sonne

Sonnig und warm sieht es allerdings nur auf den Fotos aus. In Wahrheit bewegten sich die Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und wir mussten uns zwischendurch immer wieder mit heißem Tee und einem Kachelofen aufwärmen.

18-11-29 Mega frontal lächelnd mit Jacke

Die Außentemperatur lag bei zwei Grad über Null

Die ÖDLAND V-TestleserInnen haben die letzten Seiten des letzten ÖDLAND-Bandes erreicht und dieses Wochenende finden bei Kaffee und Kuchen die Gespräche statt. Ich bin schon sehr gespannt auf das Feedback und besonders auf die Anmerkungen der Lektorin, die ich am ersten Advent treffen werde. Drückt uns die Daumen, dass die „Baustellen“ nicht zu groß ausfallen und ich den Text in der geplanten Zeit, bis Ende Januar 2019, überarbeiten kann.

ÖDLAND V Testleser gefunden

Die erste Skizze für das ÖDLAND V Cover ist fertig. Im Vorfeld habe ich Testfotos gemacht, dazu unten mehr.

Aus zahlreichen Bewerbungen konnte ich vier TestleserInnen auswählen, die im November 2018 ÖDLAND V lesen werden. Parallel geht der letzte ÖDLAND-Band ins Lektorat. Mit dem gesammelten Feedback schreibe ich die letzte Fassung, die – so der Plan – Ende Januar fertig werden soll.

ÖDLAND V TestleserInnen sind: Tara aus Spandau, Clara aus Köpenick, Reno aus Düsseldorf und Torsten aus Berlin.

18-10-31 OE V Skizze Profil

Skizze von Clarissa Braun

Das Lektorat übernimmt, wie in den ersten vier Bänden, die ÖDLAND-Veteranin: Karin Ostertag, was mich sehr freut. Niemand kennt das ÖDLAND besser als sie.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bei allen bedanken, die Lust hatten, Testleser zu werden und sich bei mir gemeldet haben. Vielen Dank.

Clarissa Braun von gedankenkost.de war so mutig sich mir für erste Testfotos als Model zur Verfügung zu stellen. Es ging mir um die Frage, aus welchen Perspektiven man den Knochenkopf des „Blut und Asche“-Rituals der Söldner am besten erkennen kann. Außerdem habe ich mich gefragt, ob Mega auf dem Cover überhaupt zu erkennen sein wird, wenn die Gesichtszüge derartig „entstellt“ sind.

18-10-31 OE V Maskentest Making of

Clarissa in der Maske

Mit den Testfotos habe ich auf diese Fragen noch keine endgültigen Antworten bekommen. Colin M. Winkler, der Coverdesigner der ÖDLAND-Reihe, hat mir versichert, dass man über Farbe und Helligkeit steuern kann, wie gut das Gesicht unter der Maske zu erkennen sein wird. Colins erste Skizze findest Du oben als Titelbild.

18-10-31 OE V Maskentest Halbnah mit Messer

Halbnah mit Grabendolch

Colin und ich haben eine weitere Änderung gegenüber der restlichen Reihe beschlossen. Während in den ersten vier Teilen die Landschaft hinter den Figuren eine wichtige Rolle spielte, werden wir uns auf dem ÖDLAND V Cover auf die Figur konzentrieren. Mega und ihr innerer Konflikt sollen im Mittelpunkt des Bildes stehen.

Was denkst Du? Entstellt die Maske Mega zu sehr? Soll sie auf dem Cover besser zu erkennen sein?

18-10-31 OE V Maskentest Nah

Clarissa Braun mit Blut-und-Asche-Maske

18-01-31 ÖDLAND V Entwurf 01 Ausschnitt Close

Mega ÖDLAND V Cover erste Skizze von Colin M. Winkler

Titelschutz Viktoriastadt

Die Arbeit am Cover ist beendet. In zwei Tagen wird ÖDLAND IV veröffentlicht.

Gelegenheit eine Anekdote zum Thema gesundes Selbstvertrauen versus realistische Aufwandseinschätzung zu erzählen:

Ein äußerst lästiges Thema ist der Titelschutz. Da hat man nun jahrelang hart gearbeitet und muss drei Tage vor der Veröffentlichung feststellen, dass der wohlgehütete, geheimnisumwitterte Titel des großartigen Werkes zwischenzeitlich einen anderen Abnehmer gefunden hat. Was nun? Pech gehabt? Die Konkurrenz war eben schneller?

Im Prinzip ist es so. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das alte Mühlengesetz, das im Mittelalter die Reihenfolge der Bauern an der Mühle regelte, gilt noch immer. Einen gewissen, juristischen Schutz bietet der Titelschutzanzeiger. Wobei der „Schutz“ tatsächlich eher eine Beruhigung des eigenen Gewissens ist, als ein tatsächlicher Schutz. Ein Verfahren z.B. gegen einen Fernsehsender anzustrengen, ist wenig erfolgversprechend, da man als Autor bereits mit der ersten Rate der Anwaltskosten die gesamte Existenz aufs Spiel setzen müsste.

17-12-22 Titelschutz ÖDLAND Viktoriastadt Ausschnitt KLEIN

Eintragung Titelschutz VIKTORIASTADT

In der Planung für die ÖDLAND-Reihe wollte ich also mein Gewissen beruhigen, habe Titelschutz für VIKTORIASTADT beantragt und ihn erhalten. Für schlappe 220 € (im Preis ist selbstverständlich kein Rechtsschutz enthalten) kann man seinen Titel in den Titelschutzanzeiger aufnehmen lassen. Ich war sehr stolz, als ich die Ankündigung sah. Aus meinem Mut und meiner konsequenten Handlungsweise erwuchs ein Gefühl, als hätte ich das Buch bereits geschrieben. Ich befand mich in bester Gesellschaft: Kaiserinnen, Haie, höllische Schönheits-OPs. Eine Art Querschnittslähmung des deutschen Geistes.

17-12-13 Titelschutz ÖDLAND Viktoriastadt

Titelschutzanzeiger komplette Seite

Der Witz an der Geschichte: Der Titelschutz im Titelschutzanzeiger gilt nur für sechs Monate. Man beachte das Datum am oberen Rand des Anzeigers: 30. August 2011. Ich war damals tatsächlich guter Hoffnung den Roman Ende 2011 beendet, und veröffentlicht zu haben. Wohlgemerkt die gesamte ÖDLAND-Geschichte. So viel zum Thema realistische Aufwandseinschätzung.

Es sollte anders kommen. Erst jetzt, sechs Jahre später, nehme ich den Titel in Anspruch. Sechs Jahre in dem Wissen, dass er mir jederzeit vor der Nase weggeschnappt werden könnte. Sechs Jahre, in denen ich diese Sorge nicht auszusprechen wagte.

Ich wünsche Dir entspannte Feiertage voll spannender Lektüre und hoffe natürlich, dass Viktoriastadt einen Weg in Dein Herz finden wird.

Fotoshooting für ÖDLAND IV Cover

17-06-20 Nessa Bein nach rechts böse 01

Louise Kappius als Nessa

Im Juni habe ich an der 3. Überarbeitung von ÖDLAND IV weitergearbeitet und Kapitel 49 (von 71) erreicht. Wir liegen damit weiter im Zeitplan. Außerdem konnte ich im Juni endlich das lang geplante Fotoshooting für das ÖDLAND IV Cover realisieren.

Nach Sichtung der Vorschläge von Berliner Kindercastingagenturen und einer Reihe von Vorgesprächen mit Kandidatinnen und ihren Müttern habe ich mich schließlich für Louise Kappius von der Agentur KINOKIND (Beate Kurecki) entschieden. Sie gehörte von Beginn an zu meiner engeren Auswahl. Testfotos konnten mich schließlich überzeugen.

17-06-22 Patinierdienst

Patinierdienst

Sie besitzt die Verletzlichkeit und die Wandlungsfähigkeit, die ich mir für die Figur Nessa gewünscht habe.

Nachdem die Rolle besetzt war, konnte ich mich um das Kostüm kümmern. Louise besaß eine Reihe ausrangierter Kleider. Wir entschieden uns für ein weißes Kleid, was im nächsten Schritt auf alt getrimmt werden musste.

17-06-22 Kostümprobe

Kostümprobe

Es sollte nicht zu dreckig und zerschlissen aussehen, denn Nessa achtet in der Geschichte auf ihre Sachen, wäscht das Kleid regelmäßig mit Pfützenwasser und repariert es mit Klebeband. Für schmutzige Kostüme gibt es in Berlin eine Spezialistin: Sabine Kubat vom PATINIERDIENST.

17-06-22 Kostüm mit Patina

Kleid mit Patina

Wer sein Kostüm in einem vorher genau definierten Grad professionell patinieren lassen möchte, der ist bei ihr an der richtigen Adresse. Von ihr stammt die Idee, dass die Kinder ihre Kleidung mit Klebeband reparieren, außerdem hat sie die Knöpfe ausgetauscht und große und kleine hinzugefügt.

Model und Kostüm waren organisiert, fehlte nur noch die Location. Dieser Punkt entpuppte sich als schwieriger, als zunächst gedacht. Ich hatte eine Reihe von Orten im Kopf, an denen ich bereits Shootings gemacht hatte. Unter anderem die verfallene Brauerei, in der die Fotos für das ÖDLAND I Cover entstanden sind. Das Problem: Für verfallene Gebäude gibt es in den meisten Fällen keinen Ansprechpartner. Niemand fühlt sich zuständig und im Zweifelsfall überwiegen Sicherheitsbedenken. Eine Genehmigung zu bekommen ist so gut wie aussichtslos.

17-06-22 Außen 03

Rundlokschuppen, Blick von der Autobahn, Foto: J. Schallenberg

Die Suche in Friedrichshain blieb ergebnislos. Schließlich verabschiedete ich mich von der Idee des ranzigen Hinterhofs und dehnte meine Recherche auf ganz Berlin aus. Unter anderem sah ich mir das Kinderkrankenhaus Weißensee (Hansastr. Ecke Buschallee) an. Hier gab es die Durchblicke, nach denen ich suchte, doch der verfallene Komplex ist extrem marode und eher eine Halde, als eine Location.

Schließlich entschied ich mich für den alten Rundlokschuppen am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf. Seit ich in Berlin lebe, (immerhin bereits seit 15 Jahren,) denke ich, jedes Mal, wenn ich auf dem Autobahnzubringer Berlin in Richtung Norden verlasse, (oder von dort zurückkomme,) dass ich mir dieses geheimnisvolle, runde Gebäude endlich mal aus der Nähe ansehen will.

17-06-22 Außen 01

Zugewachsener Lokschuppen

Gedacht, getan. Fünfzehn Jahre später stand ich also vor dem alten DDR-Rundlokschuppen, der ein Drehkreuz zum Rangieren und Platz für zweihundert Lokomotiven hat. Mindestens. Das Ding ist gewaltig.

Ich hatte zunächst Bedenken, was den Zugang zur Halle angeht, doch das Tor steht offen und sämtliche Zäune, die den Schuppen mal umgeben hatten, waren entfernt worden. Man konnte problemlos mit dem Auto vorfahren.

Der Sonntag des Shootings nahte. Das Wetter war perfekt, wolkenlos und windstill. Nachdem Louise, ihre Mutter Judith und Sarah Huzel, die Maskenbildnerin, eingetroffen waren, habe ich das Equipment durch ein offenes Fenster in die Halle gewuchtet.

17-06-22 Set

Set mit 20 x 20 Butterfly, Foto: J. Schallenberg

Mit einem 20 x 20 Butterfly nahm ich dem Sonnenlicht die Härte. Ein Reflektor sorgte für Aufhellung und Augenlicht.

Sarah Huzel, die Maskenbildnerin, passte das Kind in Schmutzigkeit und Farbton an das präparierte Kleid an, während sich Louise selbstständig mit einem Eyeliner kryptische Tattoos auf die Finger malte.

Ich begann das Shooting mit einer Reihe von Details: Hände, Füße, kaputte Stellen am Kleid und ungewöhnlichen Perspektiven, die auf dem Cover nicht zu sehen sein werden, aber für die Arbeit des Coverdesigners Colin M. Winkler wichtig sind. Auf ihnen werden Texturen besser sichtbar, wie z.B. die des Kreidepulvers auf der Haut.

17-06-22 Louise in der Maske

Louise in der Maske

Im Anschluss machte ich Fotos in allen Körperhaltungen und Emotionen, die uns interessant erschienen. Von lauernd bis verlassen. Ich bin noch unentschlossen, was den Ausdruck angeht, der am Ende auf dem Cover von ÖDLAND IV zu sehen sein soll. Ein drohender Blick ist spannend, aber die dargestellte Figur soll nicht unsympathisch wirken. Es geht eher um Verlorenheit, das Gefühl der Schutzlosigkeit und die Gewissheit sich auf niemanden verlassen können. Die hinterhältigen Tricks verwilderter Kinder in der Stille der Nachwelt.

17-06-22 Maske Sarah Huzel

Maskenbildnerin Sarah Huzel

Hatten wir die Halle in den ersten Stunden noch für uns, begann am Nachmittag ein wahrer Ruinentourismus. Parallel zum Shooting beschallte uns eine Gruppe mit übersteuerter Musik, während eine andere eine Choreografie für ein Musikvideo probte. Ein dritter Personenkreis gab sich Nachhilfe in tantrischen Fesselkünsten. Das passte alles nicht so wirklich zusammen, war aber erstaunlich unproblematisch.

Im Vorfeld bereiteten mir diverse Dinge Sorgen: Wird das Tor der Location wirklich offen sein? Kommt die Maske auch pünktlich? (Langer Anfahrtsweg.) Ist das Kind gesund? (Am Tag vorher noch im Krankenhaus.) Etc. Im Nachhinein stellten sich meine Bedenken als unbegründet heraus. Alles klappte wie am Schnürchen und ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich. Ich möchte mich bei allen Beteiligten noch einmal ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken.

17-06-22 Louise mit Stern

„Folge dem Stern!“ Foto: J. Schallenberg

Ich werde die Fotos in den kommenden Wochen an dieser Stelle posten. Als treueR ÖDLAND-LeserIn kannst Du uns wieder bei der Covergestaltung unterstützen und uns Deine Meinung zu den Fotos sagen.

Fotoshooting ÖDLAND IV Cover:

  • Agentur: KINOKIND Beate Kurecki
  • Patinierung Kostüm: PATINIERDIENST Sabine Kubat
  • Location Scout: Boris Kraschin
  • Maske: Sarah Huzel
  • Equipment: LFB Lichtforum Berlin
  • Location: Rundlokschuppen S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf
  • Set Fotos: Judith Schallenberg
  • Model: Luise Kappius
  • Produktion / Fotos: LUCID DREAMS Christoph Zachariae
17-06-22 Maschine

Maschine im Lokschuppen

Locationscouting ÖDLAND III

Der Reisebericht in die salzige Unterwelt Norddeutschlands enthält Spoiler. Leserinnen und Lesern, die ÖDLAND III noch nicht beendet haben, wird deshalb geraten zunächst einen Bogen um diesen Blogeintrag zu machen.

Wir erinnern uns: In ÖDLAND II will Mega die Autobahn überqueren, doch sämtliche Brücken wurden zerstört. Durch die Flut oder etwas anderes. Sie folgt dem Großen Fluss nach Norden auf der ersten Teerstraße hinter dem Deich, um Nathans Verstecke zu finden.

Der Sommer ist vorbei, die Tage werden kürzer und dunkler. Mitten in der Einöde stößt sie auf seltsame Gebäude, umgeben von der Asche verbrannter Wälder.

Hauptturm

Die Fabrik am Fluss – Der Hauptturm


Während der Konzeption der Endzeitgeschichte wurde mir klar, dass Mega auf einen Ort stoßen soll, dessen Gefährlichkeit die Menschen der Nachwelt vergessen haben.

Denn bei einem Systemkollaps würde jeder Komfort über Nacht verschwinden. Dinge wie Essen, Strom und Treibstoff wären von einem Tag auf den anderen nicht mehr verfügbar. Auf der anderen Seite gäbe es aber Relikte, die den Menschen erhalten bleiben würden. Altlasten, die man in massiven Stahlbehältern und tiefen Stollen verstecken müsste. Würden die Menschen der Nachwelt Generationen später noch wissen, was dort unten versteckt worden ist? Würden sie wissen, dass sie sich in Gefahr begeben, wenn sie sich diesem Ort nähern?

Maserung Stollenwand

„Maserung“ der Wände des Salzstollens


Der Dokumentarfilm INTO ETERNITY macht sich Gedanken zu der Frage: Wie muss ein Endlager gekennzeichnet werden, damit Menschen auch in tausend Jahren noch herausfinden können, dass es gefährlich ist. Denn niemand kann heute sagen, ob Menschen in tausend Jahren noch die Schriftstücke lesen können, die wir heute verfassen oder ob die Daten, in der Form, wie wir sie heute produzieren, überhaupt noch lesbar sein werden.

Von Sprachwissenschaftlern, Designern und Architekten gibt es die absurdesten Vorschläge zu dem Thema: Von kryptischen Icons, die schon heute niemand verstehen würde, über die Gründung eines Geheimordens dessen Aufgabe es wäre, das Wissen um die Gefahren der Radioaktivität von Generation zu Generation weiterzugeben, bis hin zu Landschaftskunst: Gewaltige, ringförmige Wälle bedeckt mit rostfreien Stahlstacheln. Eine Mischung aus Panzersperre und toter Evolution. Doch könnten die Maßnahmen die Menschen der Nachwelt davon abhalten die geheimnisumwobenen „Grabkammern“ der Altvorderen zu öffnen und den „Fluch der Pharaonen“ zu entfesseln? Würden die Warnungen die Neugier zukünftiger Menschen nicht erst recht anstacheln? Tatsache ist, dass Geheimnisse Menschen schon immer angezogen haben. Wahrscheinlich ist, dass sie dieselben Fehler machen würden, die wir gemacht haben. Sie würden die Büchse der Pandora öffnen.

Ein Merkmal haben alle Überlegungen zur Kennzeichnung von Endlagern gemeinsam: Sie wurden bisher nicht umgesetzt und im Chaos eines Zusammenbruchs würde niemand mehr an sie denken.

Um mich besser in die Situation der Bewohner des Salzstocks hineindenken zu können, entschloss ich mich zu einer Besichtigung des „Erkundungsbergwerks“.

Offizielles Erinnerungsfoto aus dem „Freizeitpark“ Gorleben:

Gruppenbild Salzstock

Ganz unten: „Undercover-Recherche“ im Erkundungsbergwerk Gorleben


Ich falle etwas auf, da ich zu spät kam und der einzige war, der noch am Helm rumfummelte, während der Rest der Gruppe schon über Druckausgleich und Bewetterung fachsimpelte.

Zur vorschriftsmäßigen Sicherheitausstattung jedes Besuchers gehören: Stahlkappenstiefel (besser zwei Nummern zu groß, als eine zu klein), schicker, einteiliger Overall in signalrot, (damit man im Stollenlabyrinth nicht verloren geht), Helm mit Kopflampe (ganz wichtig), ein praktisches Sauerstoffgerät im Handtaschenformat mit Atemluft für 20 min (allein der Weg im Fahrstuhl auf die 1000m Sohle hat 20 min gedauert) und ein Dosimeter. Kein Witz, ein Dosimeter, das die Strahlenbelastung in Millisievert anzeigt, der man während des Aufenthalts ausgesetzt ist. Und das, obwohl (offiziell zumindest) noch gar kein radioaktiver Abfall eingelagert wurde. Ich vermute, dass die Maßnahme eher der Beruhigung unserer Nerven dienen sollte. Um es gleich vorweg zu nehmen: Mein Dosimeter hat hinterher nichts angezeigt.

Weg zum Fahrstuhl

Gang zum Fahrstuhl


Der Weg zum Fahrstuhl erinnerte mich an Jodie Fosters Gang zur japanischen „Transportmaschine“ in ‚Contact‘. Ich weiß auch nicht warum.

Fahrzeug

Bohrkopffahrzeug

Im Salzstock herrschte hektische Betriebsamkeit und erstaunlich viel Verkehr. Es gab sogar Ampeln, an denen man als Fußgänger besser stehen blieb, wenn man nicht von Bohrkopffahrzeugen, Baggern oder Jeeps überrollt werden wollte.

Karte Salzstock

Karte des Salzstocks


Ich habe in ÖDLAND III nur die rote Ebene berücksichtigt, weil alles anderes zu kompliziert geworden wäre.

Die Werkstatt konnte praktischerweise an derselben Stelle bleiben, an der sie schon immer gewesen war, das Gewächshaus wurde im ehemaligen Lager errichtet, die Arbeitsräume wurden zur „Strandbar“ umfunktioniert, Dr. Maximilians Separee wurde im ehemaligen Tanklager (rechter Bildrand) erbaut, der allgemeine Wohnstollen wurde im Grubenwehrraum errichtet, der geschützte Bereich in der Bohrabteilung, im nach links oben führenden Stollen haben die Bewohner Krankenstation und Quarantäne untergebracht, aus der sogenannten „Füllortstrecke“ wurde der Versorgungsstollen mit Essensausgabe und Schwarzem Brett. Die gerade Verbindungsstrecke zwischen Bohrabteilung und Dr. Maximilians Refugium nannten die Bewohnern der dritten Generation „Hauptstollen“.

Messung des Salzflusses

Messung des „Salzflusses“


Obwohl es sich um Gestein handelt, ist der gesamte Untergrund in „Bewegung“. An Messpunkten auf „Stoßkanten“, lässt sich die „Strömungsgeschwindigkeit“ des Salzes ablesen. Sie ist nicht sehr stark, nur 0,1 bis 0,5 Millimeter im Jahr, doch im Laufe der Jahre summieren sich die Werte und nicht alle Stellen sind gleich schnell. Tektonische Bewegungen sind das Hauptproblem eines Endlagers im Salz.  Zugänge könnten in tausend Jahren z.B. einfach verschwunden sein.

Salzdunst

Salzdunst


Das rieselnde Salz bildete Dunstschleier, hindert aber nicht am Atmen. Tatsächlich wirkt es  therapeutisch und „reinigt“ die Lunge wie ein Solebad. Man darf nur die Flüssigkeitszufuhr nicht vergessen. Die geringe Luftfeuchtigkeit trocknet einen langsam aber sicher aus.

Salzstaub Mondlandschaft

Salzstaub auf dem Stollenboden


Feiner Salzstaub macht die Stollenböden zur Mondoberfläche.

Tafel Wettermessung

Wettermeßstelle 2.4



Atemluft wird von Wetterrohren in konstanter Geschwindigkeit durch die Stollen gedrückt.

Stollen+Wetter

Stollen und Wetterrohr

Werkstatt

Werkstatt + Versteck des INDU


In den Seitengängen der Werkstatt versteckt Mega den INDU.

Deich und Schwemmflächen II

Deich und Schwemmflächen


Wenn sie mitten im Februar mit den Söldnern wieder ins ÖDLAND aufbricht, herrscht tiefer Winter. Gefrorene Schwemmflächen und schneebedeckte Deiche säumen den Weg der Reisegruppe.

Überschwemmte Brücke im Eis

Überschwemmte Brücke am Ufer


Ewiger Winter. Endlose Stille.

ÖDLAND II Locationscouting

ÖDLAND Zweites Buch: Zu Beginn des letzten Drittels flieht Mega vor den Soldatenkindern und folgt der Autobahn im INDU nach Osten. Sie stößt auf einen großen Fluss (die Elbe) und eine zerstörte Autobahnbrücke (die A2 bei Magdeburg), die sie zu einem Umweg mit unabsehbaren Folgen zwingt. Ganz in der Nähe befindet sich ein Wasserstraßenkreuz. Die Stelle, an der der Mittellandkanal die Elbe überquert.

Um ein Gefühl für die Größe der Brücken und die Distanz zwischen ihnen zu bekommen, beschloss ich, mir die Orte genauer anzusehen und Fotos zu machen.

Autobahnbrücke und Wasserstraßenkreuz liegen verhältnismäßig nah beieinander. Deutlich näher, als ich in Erinnerung hatte. Mir wurde klar: Von der Autobahnbrücke aus würde Mega das Wasserstraßenkreuz sehen können. Und wenn sie es sehen könnte, dann würde sie auch erkennen können, dass es ebenfalls zerstört wurde und dann hätte sie sich möglicherweise nicht für diese Richtung entschieden, sondern eine andere Möglichkeit in Betracht gezogen.

Die Aufgabe: Mega darf das Wasserstraßenkreuz von der Autobahnbrücke aus nicht sehen. Doch wie soll das möglich sein? Warum sieht sie es nicht? Die Lösung: Den überschwemmten Flussauen entsteigt dichter Nebel. Die Ortsbesichtigung führte also zu einer Änderung des Wetters im Roman.

Mega wendet den INDU und folgt Nathans Wegbeschreibung. An der ersten Ausfahrt stößt sie auf ein Kieswerk, dass es an dieser Stelle wirklich gibt und sieht, wie die Förderbänder aus dem Nebel ragen.

Förderbänder des Kieswerks

Kieswerk


Auch die „Stahltore“ des Schiffhebewerks heben sich imposant aus dem Dunst. Besonders für einen Menschen wie Mega, der eine derartige „Konstruktion“ zum ersten Mal im Leben sieht.

„Stahltore“ des Schiffshebewerks Rothensee

Freie Passage zum jenseitigen Ufer

Der hallende Tunnel unter der Schleusenbühne ist die einzige Möglichkeit den Kanal zu überqueren. Übergänge und Stege wurden blockiert.

Auf der anderen Seite liegt eine kleine Siedlung. Privat- und Reihenhäuser. Insgesamt eher langweilig. Nur ein Haus mit auffälligem Grundriss weckte mein Interesse. Ich wählte es als Vorbild für das „Hexenhaus“.

H-förmiger Grundriss. H wie „Hexenhaus“.


Im Keller unter dem „ehemaligen“ Kühlraum findet Mega Nathans Funkgerät und seinen Brief. Sie soll auf der ersten Teerstraße hinter dem Deich nach Norden reisen und nach Sternen Ausschau halten, die Vorratslager markieren.

Später erreicht Mega das zerstörte Wasserstraßenkreuz, dass bei meiner Recherche vor Ort natürlich „noch“ ganz war und von zahlreichen Frachtkähnen überquert wurde.

Trogbrücke des Mittellandkanals. Elbüberquerung.


Ich gönnte mir den Spaß es zu Fuß zu überqueren und stellte mich am anderen Ufer unter das Stahlbett des Mittellandkanals, um mir die Geräusche der sich nähernden Schiffsschrauben anzuhören. Ein Fest für jeden Sounddesigner.

Stahlbett des Mittellandkanals über der Elbe


Im Roman sind unterschwellige Geräusche schwierig einzubauen, doch als alter Regisseur kann ich nicht aus meiner Haut. Ich sehe, höre und fühle jeden Ort, an dem Mega steht, lauscht und friert und das Dröhnen der Schiffsschrauben, das Tonnen von Stahl und Wasser in Schwingung versetzte, schien mir die namenlose Drohung des Ödlands sehr passend zu untermalen.

In Wolmirstedt, der ersten, kleinen Ortschaft hinter dem Wasserstraßenkreuz, wurde in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs meine Mutter geboren. Während eines Luftangriffs im Keller eines Bauernhauses.

Meine Großmutter schrie entsetzt, als ihr das Kind in die Arme gelegt wurde, doch nicht, wie man annehmen könnte, wegen der Fliegerbomben. Das kleine, blutige Ding, dass meine Mutter damals gewesen war, war von Kopf bis Fuß behaart und sah aus wie ein Affe.