Making-of Hörbuch-Teaser Bernd Egger

Die ÖDLAND-Reihe wagt sich auf unbekanntes Terrain. Die Dreharbeiten für den zweiten ÖDLAND-Hörbuch-Teaser fanden in Berlin Neukölln statt. Ich begleitete einen Tag lang den Synchron- und Hörbuchsprecher Bernd Egger (Terminator: Dark Fate, Assassin’s Creed Valhalla, uvm.) und entlockte ihm Details aus seinem Leben. Wenn er so vor einem sitzt zwischen bestickten Seidenkissen und Menschenschädeln und man seiner markanten Stimme lauscht, kommt man nicht auf die Idee, dass er vor Kurzem noch ein eher introvertierter Typ gewesen sein soll, der nicht so recht wusste, wohin mit seinem Leben.

Bernd Egger in seiner Wohnung in Neukölln

Man hat das Gefühl, einem selbstbewussten, geerdeten Menschen zu begegnen, der seinen Frieden mit sich selbst gemacht hat. Dass es nicht immer so war, dass er sich quasi neu erfinden musste, ist eins der Geheimnisse, die mir der sympathische Bernd Egger an diesem Tag anvertraute. Seine Schaffensphasen besitzen eine Gemeinsamkeit. Sie sind geprägt von unbändiger Kreativität. Nichts, was Bernd Egger sich vornahm, machte er halbherzig. So baute er das Dachgeschoss seines Elternhauses kurzerhand zu einem lichtdurchfluteten Atelier aus, um als freischaffender Künstler arbeiten zu können. Spuren dieser Leidenschaft finden sich in seinen Reisetagebüchern. Jede zweite Seite hat er mit einer handgemalten Illustration gestaltet und damit jedes Buch zu einem ein Kleinod werden lassen.

Reisetagebuch von Bernd Egger mit handgemalter Illustration

Das Fernweh führte den Asien-Fan unter anderem nach Indien und Thailand. Der Individualist pilgert gern allein und findet seine Abenteuer an den Wegrändern, wo sie niemand vermuten würde. Im größten zusammenhängenden Höhlensystem der Welt und auf Thailands staubigen Sandpisten, die er mit dem Moped erkundete. Er kaufte es zu Beginn der Reise und vermachte es am Ende des Trips einem Kinderheim. (Eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit: Sowohl die Sprecher als auch Mega, die Hauptfigur der ÖDLAND-Reihe, reisen am liebsten allein.)

Bernd Egger auf einer Hängematte in seiner Wohnung

Bernd bereitet seine Texte akribisch vor und legt wohldosiertes stimmliches Gewicht in den jeweiligen Charakter. In der ÖDLAND-Hörbuch-Reihe liest er die Perspektive des Söldneranführers Hagen und die Perspektiven aller anderen männlichen Erzähler. In den späteren Büchern der ÖDLAND-Reihe sind dies unter anderem: Jan, der Moorbewohner, Stellgar, der Hauptmann und natürlich Nathan, der Schrottsammler. Im ersten Buch leiht er Tito, dem Anführer der Moorbewohner seine Stimme und dem Pathologen des Kellers, Dr. Hammer.

Mega, die Hauptfigur der ÖDLAND-Reihe, wird von der Hörbuchsprecherin Vaile Fuchs gelesen, die ich Dir in einem früheren Post bereits vorgestellt habe.

Bernd Egger bei der Vorbereitung eines Textes

Das Interview nahm eine überraschende Wendung, als Bernd mir von seiner neuen Flamme berichtete: einer Harley-Davidson. Vom Roller im Chaos des indischen Linksverkehrs bis zum sanft tuckernden V2-Motor auf dem nassen Asphalt deutscher Straßen ist der Weg weit, würde man denken. Aber Bernd berichtete mir, er wäre auf den ersten Blick „schockverliebt“ gewesen. In jedem Fall sitzt er fest im Sattel, umweht von einem Hauch aus Gefahr und Abenteuer. Wer kann so sprechen und einhändig Harley-Davidson fahren? Nur Bernd (Arnold Schwarzen-) Egger.

Bernd Egger auf Harley Davidson

Das Material des ÖDLAND-Hörbuch-Teasers befindet sich im Schnitt, genau wie das erste Hörbuch der ÖDLAND-Reihe. Die Veröffentlichung ist weiterhin für Ende 2020 geplant. Ich hoffe, Du freust Dich so sehr wie ich auf den ersten akustischen Ausflug in die einsamen Weiten der ÖDLAND-Reihe.

Weitere Blogbeiträge zum ersten Hörbuch der ÖDLAND-Reihe:

Das ÖDLAND und der Sound of Snow

Anfang der Woche haben wir die Sprecherin und den Sprecher für das erste Hörbuch der ÖDLAND-Reihe ÖDLAND Erstes Buch Der Keller im Studio Sound of Snow aufgenommen. Im vierten Stock des zweiten Hinterhofes, unter dem Dach eines alten Industrielofts. Dem Berliner Himmel so nah, wie man ihm nur kommen kann.

20-07-24 Kiez Straße

Sound of Snow Kiez

Mich verblüffte die entspannte Atmosphäre im Kiez, keine zwei Gehminuten vom Lärm des Hermannplatzes entfernt. Der perfekte Ort, um der ÖDLAND-Reihe erstes Hörbuchleben einzuhauchen. Sprecherin Vaile Fuchs und Sprecher Bernd Egger erschienen gut vorbereitet. Nach letzten Feinabstimmungen verliefen die Aufnahmen unter der Regie von Markus Hahn und der Studioleitung von Tommi Schneefuß rund und erfreulich stressfrei.

20-07-24 Vaile und Zac letzte Anweisungen

Letzte Feinabstimmung: Vaile Fuchs und C. Zachariae

Für Hörbuch-Insider: Tommi Schneefuß und ich kennen uns aus dem DARKSIDE PARK. Wir haben zusammen an den Episoden Der Gesang der Ratten, Porterville Times und Die Farbe des Chamäleons gearbeitet. Für Der Gesang der Ratten hat die Sprecherin Nana Spier damals (2010) sogar den Ohrkanus Hörbuch-Preis: Beste Sprecherin (Lesung) bekommen.

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Bernd Egger liest Hagens Perspektive

Wie erhofft traf Bernd Egger den richtigen Ton für den zwiespältigen „Charme“ des Söldneranführers Hagen. Die Faszination für krude Inszenierungen und seine „Spielchen“ auf der einen Seite und die Irritation über die eigene Monstrosität auf der anderen. Mit Bernds markanter Stimme wurden sie lebendig und greifbar. Ich bekam Gänsehaut. Ein besseres Kompliment kann ein Sprecher einem Text nicht machen.

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Vaile Fuchs liest Megas Perspektive

Vaile Fuchs verschmolz nahtlos mit Megas Gefühlswelt. Sie las den Text so, dass ich die Figuren neu entdecken konnte, als hörte ich die Geschichte zum ersten Mal. Ich hatte die Physikerin Frau Dr. Kobe immer für eine Randfigur gehalten. Plötzlich trat sie ins Rampenlicht und ich stellte fest, dass sie Mega auf ihre verschrobene, ungeübte Art die ganze Zeit über den Rücken stärkt. Ich habe den Text geschrieben, aber bis zu den Aufnahmen nicht gewusst, dass diese Lesart in ihm steckt. Mehr als einmal musste ich Tränen der Rührung verdrücken. Vaile liest nicht, Vaile ist Mega.

Es war ein ganz besonderer, ein magischer Moment, als die Wesen, deren Innenwelten ich seit Jahren mit mir herumtrug, plötzlich zu Menschen mit eigenen Stimmen wurden.

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Weltbester Hörbuch-Barista Tommi Schneefuß

Das Studio Sound of Snow passt zum ÖDLAND, weil das dritte Buch im Winter spielt und die unterschiedlichen Geräusche, die die verschiedenen Formen von Schnee verursachen, dort immer wieder thematisiert werden und weil der Autor zwischendurch dringend Kaffee braucht. Tommi Schneefuß ist der beste Barista der Hörbuchwelt.

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Hörbuchproduzent Markus Hahn

Regisseur Markus Hahn brachte uns mit seiner ruhigen, in der Sache jedoch unnachgiebigen Art auf Spur und die Sprecher in den richtigen „Flow“. Er hat inzwischen mit der Postproduktion des ersten Hörbuchs der ÖDLAND-Reihe begonnen. Einen genauen Veröffentlichungstermin kann er noch nicht nennen, nur den Zeitraum konnte er eingrenzen: Letztes Quartal 2020.

Ich hoffe, Du freust Dich so sehr wie ich auf die ersten Stimmen aus dem ÖDLAND.

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Das Team der ÖDLAND-Hörbücher (vlnr): Markus Hahn, Bernd Egger, Christoph Zachariae, Vaile Fuchs, Tommi Schneefuß

 

Making-of Hörbuch-Teaser Vaile Fuchs

Zu Besuch in der urgemütlichen Berliner Wohnung der ÖDLAND-Hörbuchsprecherin Vaile Fuchs: Wir haben Kaffee getrunken und ich habe Dinge erfahren, die ich so nicht vermutet hätte. Unter anderen, dass ihr Name nicht Weile und schon gar nicht Feile ausgesprochen wird, sondern Wäil, wie das englische Wort Trail. Damit haben Vaile und ich ganz ähnliche Probleme. Ich muss auch ständig meinen Namen buchstabieren. Man gewöhnt sich dran.

20-06-03 Vaile vor Mikro Interview

Sprecherin der ÖDLAND-Hörbücher Vaile Fuchs in ihrer Berliner Wohnung

Später hat sie vor der Kamera meine Fragen beantwortet und Textstellen aus ÖDLAND vorgelesen. Ich habe einen exklusiven, ersten Eindruck bekommen, wie die ÖDLAND-Hörbuch-Reihe werden wird. Im Juli geht es los mit den Aufnahmen für ÖDLAND I. Dann natürlich nicht in einer Privatwohnung, sondern im Studio mit kompletter Postproduktion. Hier ein paar Eindrücke (Stills) von den Dreharbeiten für den Hörbuch-Teaser.

20-06-03 Detail Wohnung Vaile

Deko in Vailes Wohnung

Vaile hat die ÖDLAND-Reihe gelesen, bevor sie den Casting-Aufruf entdeckt und sich beworben hat, aber es gibt noch ganz andere, unerwartete Schnittpunkte zwischen ihr und Mega. Vaile liebt, genau wie die Hauptfigur der ÖDLAND-Reihe, die Natur und die Einsamkeit. Seit vielen Jahren reist sie mit ihrem „Pony“ nach Schweden und macht dort Touren, auf denen sie tagelang durch die Abgeschiedenheit der schwedischen Wälder, Berge und Seen reitet. Nur sie, ihr Pferd und ihre Satteltaschen. Sie hat dabei, was sie braucht: Essen, Schlafsack, Zelt und Bücher, jede Menge Bücher. Man kann sich gut vorstellen, dass es nicht ganz ungefährlich ist, mit einem Pferd auf unbekannten Wegen durch die Berge zu reiten. Dazu gehört jede Menge Mut und eine sympathische Portion Wahnsinn. Vaile hat sogar ein Buch über ihre Abenteuer geschrieben: Frei sein.

20-06-03 Vaile reitet in den Sonnenuntergang

Vaile auf „Pony“

Außerdem hat sie mir eine skurrile Marotte gestanden. Wie berichtet liest sie extrem gern. Bevor es Lesegeräte und E-Books gab, hat sie kofferweise Bücher mitgeschleppt und sie, wenn sie sie ausgelesen hatte, an Ort und Stelle vergraben (!), um Ballast abzuwerfen. Ein paar dieser Schätze – ich würde sie als Landschafts- oder Performancekunst bezeichnen – hat sie auf späteren Touren wieder ausgegraben und mitgenommen. Die verwesten Überreste gibt es demnächst zu sehen: im ÖDLAND Hörbuch-Teaser. (Vaile hat mir übrigens versichert, dass sie die E-Book-Ausgaben der ÖDLAND-Bücher gelesen hat.)

Sobald der Teaser fertig ist, werde ich ihn an dieser Stelle teilen. Ich bin gespannt, wie er Dir gefällt.

Cover ÖDLAND Gesamtausgabe

In diesem Artikel stelle ich Dir die Entwicklung des Covers der ÖDLAND-Gesamtausgabe vor. Der lange Weg von den ersten Überlegungen und Skizzen bis zum finalen Cover.

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„Fliegender“ Schädelturm Entwurf I

Wie bereits erwähnt, habe ich mir für das Cover der Gesamtausgabe eine Gestaltung vorgestellt, die auf den ersten Blick nicht hundertprozentig zur ÖDLAND-Reihe passt. Das E-Book bleibt selbstverständlich Teil des ÖDLAND-Universums, soll aber nicht als sechster Band der Reihe wahrgenommen werden, sondern als etwas Neues, Unabhängiges. Wer sich mit den Covern der Reihe bisher nicht anfreunden konnte, wird kaum zu einem Band greifen, der wie eine Fortsetzung aussieht. Davon bin ich überzeugt. Eine Gestaltung, die auf den ersten Blick nichts mit der Reihe zu tun hat, könnte skeptische Leser hingegen überzeugen. Wer die ÖDLAND-Reihe kennt und schätzt, wird ohnehin aufgeschlossen reagieren.

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Schädel vor Fernsehturm Entwurf II

Nachdem wir uns festgelegt hatten, stellten wir uns die Frage, welches Detail der ÖDLAND-Erzählung sich für das neue Cover eignen könnte. Wir entschieden wir uns für die Schädeltürme des Söldnerkochs Ramsan und für die Warnzeichen, die das Matriarchat auf den Gefängnissen hinterlässt:

Die Schädeltürme der ÖDLAND-Reihe:

ÖDLAND III, Kapitel 41 – Pfadfinder: Für die morgendliche Katzenwäsche suchte Mega sich einen stillen Winkel vor der Außenwand und fand eine Stelle, an der Ramsan Essensabfälle entsorgt hatte. Säuberlich gespaltene, ausgekochte Knochen lagen auf frisch getautem Moos. Sie wollte den Ort schon wieder verlassen, als sie innehielt und genauer hinsah. Ramsan hatte die Essensreste nicht achtlos aus dem Fenster gekippt. Er hatte Zeit und Muße investiert und ein beunruhigendes Kunstwerk geschaffen. Die Gebeine hatte er der Größe nach zu einer Pyramide aufgeschichtet und auf der Spitze, wie zur Krönung, Rodericks abgetrennten Kopf platziert. Seine toten Augen blickten seltsam wässrig und schief, aber die fliehende Stirn und die spitz gefeilten Zähne schlossen jede Verwechslung aus. Bunte Glasscherben durchstießen die Schädelknochen, setzten ihm eine Krone auf und betonten die Wangen, dass er aussah, als wäre er geschminkt. Ihm zu Füßen ruhten die Schädel der Helfer. Gemeinsam bildeten sie einen fünfzackigen Stern. Roderick blickte nach Norden, in die Richtung, in der sie weitermarschieren wollten und schien ihnen mit unverminderter Hinterhältigkeit hinterherzugrinsen. Was trieb den Koch sich solche Mühe zu machen? Eine Wegmarkierung? Wenn es sich um ein Zeichen handelte, wem hatte er es hinterlassen? Der Nachwelt? Nathan? Wohl kaum. Mega konnte sich keinen Reim auf den Fund machen. Er hinterließ sie ratlos, fasziniert und befremdet zugleich.

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Verworfene Zwischenstufe Entwurf III

ÖDLAND IV, Kapitel 70 – Die Herde: Ramsan redete mit den Toten und die Toten redeten mit ihm. Er hatte Schädel zu einer Pyramide gestapelt und war im Begriff, den Schlussstein auf der Spitze der morbiden Skulptur zu platzieren. Stellgar stockte der Atem. Er entdeckte Verzierungen. Mit rotem Lehm hatte der naive Künstler den Wangenknochen zarte Farbe verliehen. Holzkohle betonte Augenhöhlen wie Lidschatten. Die makabre Inszenierung ließ den abgehärteten Söldner erstarren. Zu wissen, dass der Koch sich der Anstößigkeit seiner Spielereien bewusst war und sich deshalb zurückzog, machte die Sache nicht erträglicher.
Mit der Gestaltung des letzten Schädels hatte sich Ramsan besonders viel Mühe gegeben. Er hatte ihn ausgekocht, um sämtliche Gewebespuren zu entfernen und der Knochenstruktur ein strahlendes Weiß zu verleihen. Außerdem hatte er helles Ödlandgras gepflückt und es so in den Rissen der Schädeldecke befestigt, dass es wie das glatte, platinblonde Haar einer Frau aussah. Die Bemalung und das offene Haar verliehen dem Objekt etwas so eindeutig Feminines, dass es Stellgar die Sprache verschlug. Nie zuvor hatte sich die Deutung so aufgedrängt. Was der Koch sah, was er seit Jahren abgöttisch verehrte und deshalb überall zu reproduzieren versuchte, waren Frauen. Nein, nicht Frauen. Nur diese eine Frau.

ÖDLAND Gesamtausgabe eBook Cover 12_12_19 B

Variante B Großer Schädelturm Entwurf IV

Die Gestaltung des Covers weicht von den Beschreibungen ab, weil wir sie nicht eins zu eins umsetzen wollten. Das Cover könnte eine Studie oder ein Vorstadium des Künstlers zeigen, zu einem Zeitpunkt, da er noch experimentierte.

Im ersten Schritt probierten wir verschiedene Farben aus und arbeiteten uns von einem kontaminierten orange-grün (Entwürfe I + II), zu einem kontrastreichen schwarz-weiß mit dominanter Titelschrift in blutrot (Entwürfe III – V). Liegt der Schwerpunkt in den ersten Entwürfen eher auf den Gefahren der Landschaft, verschiebt er sich in den späteren Überlegungen auf die Überlebenden und ihre Rituale.

Eine Zwischenstufe (Entwurf III) mit schwachen Kontrasten und dunklem Hintergrund konnte nicht überzeugen und wurde verworfen.

Die Größe des Schädelturms wurde reduziert, um die Verlorenheit der Hauptfigur und die menschenleere Landschaft spürbar zu machen.

ÖDLAND Gesamtausgabe eBook Cover 12_12_19

Finales Cover der ÖDLAND-Gesamtausgabe Entwurf V

Im letzten Schritt wurden die Details des Schädelturms und seine Verzierungen angepasst. Das Zeichen des Matriarchats sollte erkennbar, aber nicht offensichtlich sein. Es sollte entdeckt werden können.

Abschließend probierte Colin noch einmal einen größeren Schädelturm aus. Entwurf IV ist interessant. Auf den ersten Blick dachte ich: „Wow, krass.“ Aber wenn man sich zurücklehnt und nachdenkt, wird einem klar, dass viele Details in diesem Entwurf verschwinden, bzw. nicht mehr zur Geltung kommen. Angefangen von der Stapelung der Knochen, über den Blutstropfen, bis hin zur Bemalung des obersten Schädels und seinen Glasscherben. Ein kleinerer Haufen erzählt außerdem besser die Kargheit der Landschaft und die Einsamkeit der Heldin. Der große Schädelhaufen „drängt“ sich dem Betrachter auf. Der kleinere Abstand wirkt beunruhigend, aber das Bild ist beunruhigend genug. Die Wirkung muss nicht verstärkt werden.

Was denkst Du? Wie gefällt Dir das Cover der ÖDLAND-Gesamtausgabe?

written on location VIKTORIASTADT

­­­­­In der Filmbranche gibt es den Begriff „on location“. Man findet ihn in Abspännen: „Filmed on location in Los Angeles County, California“. Der Film wurde nicht im Studio, sondern an Originalschauplätzen in L.A. gedreht. Wenn es ein Pendant für die Herstellung eines Romans gäbe, müsste es „written on location“ heißen. VIKTORIASTADT ist „written on location.“ Drei Jahre, von 2001 bis 2004, habe ich in der Spittastraße im Berliner Kiez Victoriastadt gewohnt. (Das c hat mich immer gestört. VIKTORIASTADT sieht einfach „viktorianischer“ aus. Ich werde deshalb im Folgenden nur von Viktoriastadt sprechen.) In dieser Wohnung entstand die Idee zu einer Geschichte, die in den Kellern von Viktoriastadt spielen sollte. Jahre später habe ich sie zur ÖDLAND-Reihe ausgebaut. ­

Auf der Übersichtskarte kann man erkennen, dass eine geografische Besonderheit Viktoriastadt schon immer zu einer Enklave gemacht hat. Die Gründerzeithäuser sind vollständig von S-Bahn-Linien umgeben. In der Endzeit werden die Wälle mit dem Bauschutt der umliegenden Häuser zu massiven Wehranlagen ausgebaut. Viktoriastadt hat also schon immer ein „Verteidigungsring“ umgeben.

Innerhalb der S-Bahn-Wälle herrscht eine eigenartige Atmosphäre, die schwer zu beschreiben ist. Obwohl der Verkehr auf der Marktstraße quer durch das Gebiet rumpelt, ist man vom Rest der Welt abgeschnitten. Man gehört weder zu Friedrichshain noch zu Lichtenberg, scheint sich außerhalb der Realität und in einer anderen Zeit zu bewegen. Ein Ort, wie geschaffen, für eine spannende Geschichte.

WARNUNG: Der Blogeintrag enthält Spoiler. Wer noch nicht alle Bücher der ÖDLAND-Reihe kennt und sie noch genießen möchte, der sollte die Lektüre des Artikels an dieser Stelle abbrechen. WARNUNG ENDE.

19-06-27 Wasserturm am Ostkreuz

Nest der Scharfschützinnen über dem Transitbereich in VIKTORIASTADT

Ortskundige haben es längst erkannt: Der Haupteingang der Enklave Viktoriastadt, den ich in den Romanen Transitbereich oder Gewächshaus nenne, ist natürlich das Ostkreuz. Wie durch ein Wunder ist es in seiner heutigen Form erhalten geblieben. Hier werden Frauen, die sich der Enklave anschließen möchten, einer „Gewissensprüfung“ unterzogen. Die meisten fallen durch, weil die Große Mutter Ödländerinnen grundsätzlich misstraut. Die Abgewiesenen werden in die Ruinen geschickt und ihrem Schicksal überlassen. Überwacht und beschützt wird der Transitbereich vom alten Wasserturm aus. Hier haben sich Viktoriastadts Scharfschützinnen postiert.

19-06-27 Haus der Mütter

Haus der Mütter in VIKTORIASTADT

Das größte Gebäude im Kiez ist auch in der Nachwelt das wichtigste Gebäude der Enklave. Die Deutsche Rentenversicherung (in der Übersicht oben links) wird zum Haus der Mütter. Mir gefällt der Gedanke, dass die trutzburgartige Fassade das positive Image des Mutterhauses ruiniert. Sehr treffend spiegelt die Front den Charakter der Großen Mutter: Unnahbar und verblendet.

19-06-27 Haus der Mütter Ausschnitt

Haus der Mütter – Ostturm

Das „Victoria-Center“ und die Gebäude zwischen Markt-, Hirschberger- und Schreiberhauerstraße gibt es in der Nachwelt nicht mehr. Während der Unruhen wurden sie zerstört. An ihrer Stelle wird der Platz der Viktoria angelegt und die Viktoriastatue errichtet. Die Nike der Siegessäule sollte in den Wirren des Zusammenbruchs vor der Zerstörung bewahrt und „gerettet“ werden. Der Schwertransport erreichte sein Ziel nicht und die goldene Göttin fand auf dem Platz der Viktoria eine neue Heimat.

19-06-27 Ehemaliger Kindergarten

Ehemaliger Kindergarten in VIKTORIASTADT

Ebenfalls ein wichtiges Gebäude der Enklave: Der ehemalige Kindergarten. (In der Übersicht: Schulhaus, Marktstraße 2-4.) Auf dem Hof findet im Fünften Buch die Entscheidungsschlacht zwischen Söldnern und Frauen statt. Hier richten Ruben, der Rote und sein Packesel Martin Unheil an:

»Der Rote wird sich aus Asche und Blut erheben. Wie ein Schnitter wird er unter die Weiber fahren und Knecht Martin wird treu an seiner Seite stehen. Wir zwei Hübschen werden Unheil anrichten. Großes Unheil. Jede Menge Unheil.« (Martin)

19-06-27 Ehemaliger Kindergarten Hintereingang

Ehemaliger Kindergarten – Hintertür

Die Söldner ahnen nicht, dass der Kindergarten ein historischer Ort ist. Im Vierten Buch erfahren wir, wie Hagen fünfzehn Jahre vor der Zuspitzung der Ereignisse, im Kindergarten die sechsjährige Mega fand mit einem blutbedeckten Grabendolch in der Hand. Er entführte sie nicht, er rettete das „auserwählte Kind“ und trug es auf seinen Schultern durch einen „See aus Blut“.

»Wir lassen der Krankheit den Vortritt. Wenn sie ihre Aufmerksamkeit nach vorn richtet, fallen wir ihr in den Rücken.« (Lilith)

Durch die Hintertür dringen Lilith, die weiße Flamme des Matriarchats, Jungschwester Yamini und die linientreuen Schwestern und Soldatinnen in den ehemaligen Kindergarten ein, fallen den Söldnern in den Rücken und geben dem Kampf um Viktoriastadt die entscheidende Wendung.

19-06-27 Megas Turmzimmer im Haus der Mütter

Megas Apartment im Westturm des Mutterhauses – VIKTORIASTADT

Bei ihrer Ankunft in Viktoristadt wird Mega bevorzugt behandelt. Die Große Mutter überlässt ihr die beste Wohnung der Enklave: die obersten Stockwerke im Westturm des Mutterhauses. (Auf der Karte am linken Ende der Hirschbergerstraße.) Mit Dusche und sauberem Bett scheint Mega über den Wolken zu schweben, doch so richtig wohl fühlt sie sich nicht in der neuen Umgebung. Vorbild für Megas Apartment war der als Erweiterungsbau 1953 errichtete, achtgeschossige Turm der Knorr-Bremse AG. Ein auffälliges Gebäude, das die Fantasie anregt. Was verbirgt sich in diesem Turm? Ein Sonnenobservatorium? Ein Dimensionentor? Außerdem würde man natürlich gern dort oben wohnen.

19-06-27 Schrot Totale

Der „Schrot“ am Südrand der Enklave VIKTORIASTADT

Der Schrotkugelturm, von den Schwestern „Schrot“ genannt, (auf der Karte: Nöldenerstraße 15/16) steht tatsächlich, wie im Vierten und Fünften Buch beschrieben, außerhalb der S-Bahn-Wälle und damit außerhalb des Einflussbereiches der Mütter. Wie der Name erkennen lässt, wurde im Schrotkugelturm Schrot hergestellt. Im freien Fall bilden sich nämlich perfekte Kugeln. Heißes Blei wurde in der Turmspitze tropfenweise fallen gelassen, kühlte auf dem Weg nach unten ab und tauchte als perfekte Kugel in ein Wasserbecken.

19-06-27 Schrot mit Liebesnest Ausschnitt

Das „Liebesnest“ im obersten Stockwerk des „Schrot“ – VIKTORIASTADT

Im Fünften Buch lässt Malika, die schwarze Flamme des Matriarchats, Lilith und ihre Anhängerinnen im „Liebesnest“ einsperren. Einem Karzer im obersten Stockwerk des Schrot.

Die verputzten Wände des »Liebesnestes« waren dicht mit Einritzungen bedeckt. Namen, Daten, Schüttelreime und Spottlieder, abstrakte Zeichen, gegenständliche Büsten und filigrane Reliefs. Schwestern und Jungschwestern hatten sie im Laufe der Jahre hinterlassen, um sich die Zeit zu vertreiben. (ÖDLAND Fünftes Buch)

Auf der Karte sind weitere, markante Orte der Enklave VIKTORIASTADT zu finden:

  • Haus der Schwesternschaft: Betonhaus, Türrschmidtstrasse.
  • Wasseraufbereitung: Denkmal Hartungsche Säulen, Stadthausstraße.
  • Eingang zum Gefängnisstollen: Betonhaus „Alte Schmiede“, Spittastraße.
  • Windkraftanlagen und Ställe: Sportstadion und Spielplätze, Kaskelstraße.

Making-of ÖDLAND V Cover-Shooting

In einem Hinterhof zwischen Ostkreuz und Rummelsburger Bucht, der als Lkw-Vermietung, Fahrradwerkstatt, Club und Abstellplatz für Tiny Houses genutzt wird, entstanden in dieser Woche die Fotovorlagen für das ÖDLAND V Cover.

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Dreadlock-Model Lenaig Hemonet als Mega Sorsha Devi

Wer LUCID DREAMS und die Arbeit an der ÖDLAND-Reihe verfolgt, der weiß, dass die Fotos keine Endprodukte darstellen, sondern den Auftakt zu einer detailgetreuen, grafischen Nachbildung der Figur, einer langsamen Annäherung an das finale Motiv. Der Coverdesiger Colin M. Winkler wird Elemente einzelner Fotos kombinieren und einen neuen Hintergrund einfügen.

Wie im letzten Beitrag angedeutet, möchten wir Mega auf dem Cover des fünften Buches allein und von vorn zeigen, die Augen direkt auf den Betrachter gerichtet.

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Mega mit offenen Dreadlocks

Leser und Leserinnen sollen unmittelbar mit Megas innerem Konflikt konfrontiert werden. Die Zerrissenheit der Hauptfigur spiegelt sich in ihrer „Kriegsbemalung“ aus Blut und Asche. Sie wird nicht so extrem ausfallen, wie im ersten Test, denn Gesicht und Stern sind wichtiger als die Kriegsbemalung. Ich poste in einem der nächsten Beiträge eine Auswahl an Fotos.

18-11-29 Mega auf Schwimmpanzer Beine baumeln Totale KLEIN

Mega auf dem Schwimmpanzer

Wie es der Zufall wollte, stand auf dem Hinterhof ein interessantes Amphibienfahrzeug. Der verrottete Schwimmpanzer soll angeblich noch fahrtüchtig sein, jede Menge Diesel verbrauchen und sogar mit Rapsöl fahren (!). Das Ungetüm hat mich an das Gefährt aus dem Kapitel Funkstille (ÖDLAND Erstes Buches DER KELLER) erinnert: Der brennende, schwarze Koloss, der Mega auf der Autobahn überholt. Ich nutzte die Gelegenheit und ließ Mega die Sonne auf dem Dach genießen.

18-11-29 Mega auf Schwimmpanzer Beine baumeln Nah

Die Große Schwester genießt die Sonne

Sonnig und warm sieht es allerdings nur auf den Fotos aus. In Wahrheit bewegten sich die Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und wir mussten uns zwischendurch immer wieder mit heißem Tee und einem Kachelofen aufwärmen.

18-11-29 Mega frontal lächelnd mit Jacke

Die Außentemperatur lag bei zwei Grad über Null

Die ÖDLAND V-TestleserInnen haben die letzten Seiten des letzten ÖDLAND-Bandes erreicht und dieses Wochenende finden bei Kaffee und Kuchen die Gespräche statt. Ich bin schon sehr gespannt auf das Feedback und besonders auf die Anmerkungen der Lektorin, die ich am ersten Advent treffen werde. Drückt uns die Daumen, dass die „Baustellen“ nicht zu groß ausfallen und ich den Text in der geplanten Zeit, bis Ende Januar 2019, überarbeiten kann.

ÖDLAND V Testleser gefunden

Die erste Skizze für das ÖDLAND V Cover ist fertig. Im Vorfeld habe ich Testfotos gemacht, dazu unten mehr.

Aus zahlreichen Bewerbungen konnte ich vier TestleserInnen auswählen, die im November 2018 ÖDLAND V lesen werden. Parallel geht der letzte ÖDLAND-Band ins Lektorat. Mit dem gesammelten Feedback schreibe ich die letzte Fassung, die – so der Plan – Ende Januar fertig werden soll.

ÖDLAND V TestleserInnen sind: Tara aus Spandau, Clara aus Köpenick, Reno aus Düsseldorf und Torsten aus Berlin.

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Skizze von Clarissa Braun

Das Lektorat übernimmt, wie in den ersten vier Bänden, die ÖDLAND-Veteranin: Karin Ostertag, was mich sehr freut. Niemand kennt das ÖDLAND besser als sie.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bei allen bedanken, die Lust hatten, Testleser zu werden und sich bei mir gemeldet haben. Vielen Dank.

Clarissa Braun von gedankenkost.de war so mutig sich mir für erste Testfotos als Model zur Verfügung zu stellen. Es ging mir um die Frage, aus welchen Perspektiven man den Knochenkopf des „Blut und Asche“-Rituals der Söldner am besten erkennen kann. Außerdem habe ich mich gefragt, ob Mega auf dem Cover überhaupt zu erkennen sein wird, wenn die Gesichtszüge derartig „entstellt“ sind.

18-10-31 OE V Maskentest Making of

Clarissa in der Maske

Mit den Testfotos habe ich auf diese Fragen noch keine endgültigen Antworten bekommen. Colin M. Winkler, der Coverdesigner der ÖDLAND-Reihe, hat mir versichert, dass man über Farbe und Helligkeit steuern kann, wie gut das Gesicht unter der Maske zu erkennen sein wird. Colins erste Skizze findest Du oben als Titelbild.

18-10-31 OE V Maskentest Halbnah mit Messer

Halbnah mit Grabendolch

Colin und ich haben eine weitere Änderung gegenüber der restlichen Reihe beschlossen. Während in den ersten vier Teilen die Landschaft hinter den Figuren eine wichtige Rolle spielte, werden wir uns auf dem ÖDLAND V Cover auf die Figur konzentrieren. Mega und ihr innerer Konflikt sollen im Mittelpunkt des Bildes stehen.

Was denkst Du? Entstellt die Maske Mega zu sehr? Soll sie auf dem Cover besser zu erkennen sein?

18-10-31 OE V Maskentest Nah

Clarissa Braun mit Blut-und-Asche-Maske

18-01-31 ÖDLAND V Entwurf 01 Ausschnitt Close

Mega ÖDLAND V Cover erste Skizze von Colin M. Winkler

Titelschutz Viktoriastadt

Die Arbeit am Cover ist beendet. In zwei Tagen wird ÖDLAND IV veröffentlicht.

Gelegenheit eine Anekdote zum Thema gesundes Selbstvertrauen versus realistische Aufwandseinschätzung zu erzählen:

Ein äußerst lästiges Thema ist der Titelschutz. Da hat man nun jahrelang hart gearbeitet und muss drei Tage vor der Veröffentlichung feststellen, dass der wohlgehütete, geheimnisumwitterte Titel des großartigen Werkes zwischenzeitlich einen anderen Abnehmer gefunden hat. Was nun? Pech gehabt? Die Konkurrenz war eben schneller?

Im Prinzip ist es so. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das alte Mühlengesetz, das im Mittelalter die Reihenfolge der Bauern an der Mühle regelte, gilt noch immer. Einen gewissen, juristischen Schutz bietet der Titelschutzanzeiger. Wobei der „Schutz“ tatsächlich eher eine Beruhigung des eigenen Gewissens ist, als ein tatsächlicher Schutz. Ein Verfahren z.B. gegen einen Fernsehsender anzustrengen, ist wenig erfolgversprechend, da man als Autor bereits mit der ersten Rate der Anwaltskosten die gesamte Existenz aufs Spiel setzen müsste.

17-12-22 Titelschutz ÖDLAND Viktoriastadt Ausschnitt KLEIN

Eintragung Titelschutz VIKTORIASTADT

In der Planung für die ÖDLAND-Reihe wollte ich also mein Gewissen beruhigen, habe Titelschutz für VIKTORIASTADT beantragt und ihn erhalten. Für schlappe 220 € (im Preis ist selbstverständlich kein Rechtsschutz enthalten) kann man seinen Titel in den Titelschutzanzeiger aufnehmen lassen. Ich war sehr stolz, als ich die Ankündigung sah. Aus meinem Mut und meiner konsequenten Handlungsweise erwuchs ein Gefühl, als hätte ich das Buch bereits geschrieben. Ich befand mich in bester Gesellschaft: Kaiserinnen, Haie, höllische Schönheits-OPs. Eine Art Querschnittslähmung des deutschen Geistes.

17-12-13 Titelschutz ÖDLAND Viktoriastadt

Titelschutzanzeiger komplette Seite

Der Witz an der Geschichte: Der Titelschutz im Titelschutzanzeiger gilt nur für sechs Monate. Man beachte das Datum am oberen Rand des Anzeigers: 30. August 2011. Ich war damals tatsächlich guter Hoffnung den Roman Ende 2011 beendet, und veröffentlicht zu haben. Wohlgemerkt die gesamte ÖDLAND-Geschichte. So viel zum Thema realistische Aufwandseinschätzung.

Es sollte anders kommen. Erst jetzt, sechs Jahre später, nehme ich den Titel in Anspruch. Sechs Jahre in dem Wissen, dass er mir jederzeit vor der Nase weggeschnappt werden könnte. Sechs Jahre, in denen ich diese Sorge nicht auszusprechen wagte.

Ich wünsche Dir entspannte Feiertage voll spannender Lektüre und hoffe natürlich, dass Viktoriastadt einen Weg in Dein Herz finden wird.

Fotoshooting für ÖDLAND IV Cover

17-06-20 Nessa Bein nach rechts böse 01

Louise Kappius als Nessa

Im Juni habe ich an der 3. Überarbeitung von ÖDLAND IV weitergearbeitet und Kapitel 49 (von 71) erreicht. Wir liegen damit weiter im Zeitplan. Außerdem konnte ich im Juni endlich das lang geplante Fotoshooting für das ÖDLAND IV Cover realisieren.

Nach Sichtung der Vorschläge von Berliner Kindercastingagenturen und einer Reihe von Vorgesprächen mit Kandidatinnen und ihren Müttern habe ich mich schließlich für Louise Kappius von der Agentur KINOKIND (Beate Kurecki) entschieden. Sie gehörte von Beginn an zu meiner engeren Auswahl. Testfotos konnten mich schließlich überzeugen.

17-06-22 Patinierdienst

Patinierdienst

Sie besitzt die Verletzlichkeit und die Wandlungsfähigkeit, die ich mir für die Figur Nessa gewünscht habe.

Nachdem die Rolle besetzt war, konnte ich mich um das Kostüm kümmern. Louise besaß eine Reihe ausrangierter Kleider. Wir entschieden uns für ein weißes Kleid, was im nächsten Schritt auf alt getrimmt werden musste.

17-06-22 Kostümprobe

Kostümprobe

Es sollte nicht zu dreckig und zerschlissen aussehen, denn Nessa achtet in der Geschichte auf ihre Sachen, wäscht das Kleid regelmäßig mit Pfützenwasser und repariert es mit Klebeband. Für schmutzige Kostüme gibt es in Berlin eine Spezialistin: Sabine Kubat vom PATINIERDIENST.

17-06-22 Kostüm mit Patina

Kleid mit Patina

Wer sein Kostüm in einem vorher genau definierten Grad professionell patinieren lassen möchte, der ist bei ihr an der richtigen Adresse. Von ihr stammt die Idee, dass die Kinder ihre Kleidung mit Klebeband reparieren, außerdem hat sie die Knöpfe ausgetauscht und große und kleine hinzugefügt.

Model und Kostüm waren organisiert, fehlte nur noch die Location. Dieser Punkt entpuppte sich als schwieriger, als zunächst gedacht. Ich hatte eine Reihe von Orten im Kopf, an denen ich bereits Shootings gemacht hatte. Unter anderem die verfallene Brauerei, in der die Fotos für das ÖDLAND I Cover entstanden sind. Das Problem: Für verfallene Gebäude gibt es in den meisten Fällen keinen Ansprechpartner. Niemand fühlt sich zuständig und im Zweifelsfall überwiegen Sicherheitsbedenken. Eine Genehmigung zu bekommen ist so gut wie aussichtslos.

17-06-22 Außen 03

Rundlokschuppen, Blick von der Autobahn, Foto: J. Schallenberg

Die Suche in Friedrichshain blieb ergebnislos. Schließlich verabschiedete ich mich von der Idee des ranzigen Hinterhofs und dehnte meine Recherche auf ganz Berlin aus. Unter anderem sah ich mir das Kinderkrankenhaus Weißensee (Hansastr. Ecke Buschallee) an. Hier gab es die Durchblicke, nach denen ich suchte, doch der verfallene Komplex ist extrem marode und eher eine Halde, als eine Location.

Schließlich entschied ich mich für den alten Rundlokschuppen am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf. Seit ich in Berlin lebe, (immerhin bereits seit 15 Jahren,) denke ich, jedes Mal, wenn ich auf dem Autobahnzubringer Berlin in Richtung Norden verlasse, (oder von dort zurückkomme,) dass ich mir dieses geheimnisvolle, runde Gebäude endlich mal aus der Nähe ansehen will.

17-06-22 Außen 01

Zugewachsener Lokschuppen

Gedacht, getan. Fünfzehn Jahre später stand ich also vor dem alten DDR-Rundlokschuppen, der ein Drehkreuz zum Rangieren und Platz für zweihundert Lokomotiven hat. Mindestens. Das Ding ist gewaltig.

Ich hatte zunächst Bedenken, was den Zugang zur Halle angeht, doch das Tor steht offen und sämtliche Zäune, die den Schuppen mal umgeben hatten, waren entfernt worden. Man konnte problemlos mit dem Auto vorfahren.

Der Sonntag des Shootings nahte. Das Wetter war perfekt, wolkenlos und windstill. Nachdem Louise, ihre Mutter Judith und Sarah Huzel, die Maskenbildnerin, eingetroffen waren, habe ich das Equipment durch ein offenes Fenster in die Halle gewuchtet.

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Set mit 20 x 20 Butterfly, Foto: J. Schallenberg

Mit einem 20 x 20 Butterfly nahm ich dem Sonnenlicht die Härte. Ein Reflektor sorgte für Aufhellung und Augenlicht.

Sarah Huzel, die Maskenbildnerin, passte das Kind in Schmutzigkeit und Farbton an das präparierte Kleid an, während sich Louise selbstständig mit einem Eyeliner kryptische Tattoos auf die Finger malte.

Ich begann das Shooting mit einer Reihe von Details: Hände, Füße, kaputte Stellen am Kleid und ungewöhnlichen Perspektiven, die auf dem Cover nicht zu sehen sein werden, aber für die Arbeit des Coverdesigners Colin M. Winkler wichtig sind. Auf ihnen werden Texturen besser sichtbar, wie z.B. die des Kreidepulvers auf der Haut.

17-06-22 Louise in der Maske

Louise in der Maske

Im Anschluss machte ich Fotos in allen Körperhaltungen und Emotionen, die uns interessant erschienen. Von lauernd bis verlassen. Ich bin noch unentschlossen, was den Ausdruck angeht, der am Ende auf dem Cover von ÖDLAND IV zu sehen sein soll. Ein drohender Blick ist spannend, aber die dargestellte Figur soll nicht unsympathisch wirken. Es geht eher um Verlorenheit, das Gefühl der Schutzlosigkeit und die Gewissheit sich auf niemanden verlassen können. Die hinterhältigen Tricks verwilderter Kinder in der Stille der Nachwelt.

17-06-22 Maske Sarah Huzel

Maskenbildnerin Sarah Huzel

Hatten wir die Halle in den ersten Stunden noch für uns, begann am Nachmittag ein wahrer Ruinentourismus. Parallel zum Shooting beschallte uns eine Gruppe mit übersteuerter Musik, während eine andere eine Choreografie für ein Musikvideo probte. Ein dritter Personenkreis gab sich Nachhilfe in tantrischen Fesselkünsten. Das passte alles nicht so wirklich zusammen, war aber erstaunlich unproblematisch.

Im Vorfeld bereiteten mir diverse Dinge Sorgen: Wird das Tor der Location wirklich offen sein? Kommt die Maske auch pünktlich? (Langer Anfahrtsweg.) Ist das Kind gesund? (Am Tag vorher noch im Krankenhaus.) Etc. Im Nachhinein stellten sich meine Bedenken als unbegründet heraus. Alles klappte wie am Schnürchen und ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich. Ich möchte mich bei allen Beteiligten noch einmal ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken.

17-06-22 Louise mit Stern

„Folge dem Stern!“ Foto: J. Schallenberg

Ich werde die Fotos in den kommenden Wochen an dieser Stelle posten. Als treueR ÖDLAND-LeserIn kannst Du uns wieder bei der Covergestaltung unterstützen und uns Deine Meinung zu den Fotos sagen.

Fotoshooting ÖDLAND IV Cover:

  • Agentur: KINOKIND Beate Kurecki
  • Patinierung Kostüm: PATINIERDIENST Sabine Kubat
  • Location Scout: Boris Kraschin
  • Maske: Sarah Huzel
  • Equipment: LFB Lichtforum Berlin
  • Location: Rundlokschuppen S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf
  • Set Fotos: Judith Schallenberg
  • Model: Luise Kappius
  • Produktion / Fotos: LUCID DREAMS Christoph Zachariae

17-06-22 Maschine

Maschine im Lokschuppen

Locationscouting ÖDLAND III

Der Reisebericht in die salzige Unterwelt Norddeutschlands enthält Spoiler. Leserinnen und Lesern, die ÖDLAND III noch nicht beendet haben, wird deshalb geraten zunächst einen Bogen um diesen Blogeintrag zu machen.

Wir erinnern uns: In ÖDLAND II will Mega die Autobahn überqueren, doch sämtliche Brücken wurden zerstört. Durch die Flut oder etwas anderes. Sie folgt dem Großen Fluss nach Norden auf der ersten Teerstraße hinter dem Deich, um Nathans Verstecke zu finden.

Der Sommer ist vorbei, die Tage werden kürzer und dunkler. Mitten in der Einöde stößt sie auf seltsame Gebäude, umgeben von der Asche verbrannter Wälder.

Hauptturm

Die Fabrik am Fluss – Der Hauptturm


Während der Konzeption der Endzeitgeschichte wurde mir klar, dass Mega auf einen Ort stoßen soll, dessen Gefährlichkeit die Menschen der Nachwelt vergessen haben.

Denn bei einem Systemkollaps würde jeder Komfort über Nacht verschwinden. Dinge wie Essen, Strom und Treibstoff wären von einem Tag auf den anderen nicht mehr verfügbar. Auf der anderen Seite gäbe es aber Relikte, die den Menschen erhalten bleiben würden. Altlasten, die man in massiven Stahlbehältern und tiefen Stollen verstecken müsste. Würden die Menschen der Nachwelt Generationen später noch wissen, was dort unten versteckt worden ist? Würden sie wissen, dass sie sich in Gefahr begeben, wenn sie sich diesem Ort nähern?

Maserung Stollenwand

„Maserung“ der Wände des Salzstollens


Der Dokumentarfilm INTO ETERNITY macht sich Gedanken zu der Frage: Wie muss ein Endlager gekennzeichnet werden, damit Menschen auch in tausend Jahren noch herausfinden können, dass es gefährlich ist. Denn niemand kann heute sagen, ob Menschen in tausend Jahren noch die Schriftstücke lesen können, die wir heute verfassen oder ob die Daten, in der Form, wie wir sie heute produzieren, überhaupt noch lesbar sein werden.

Von Sprachwissenschaftlern, Designern und Architekten gibt es die absurdesten Vorschläge zu dem Thema: Von kryptischen Icons, die schon heute niemand verstehen würde, über die Gründung eines Geheimordens dessen Aufgabe es wäre, das Wissen um die Gefahren der Radioaktivität von Generation zu Generation weiterzugeben, bis hin zu Landschaftskunst: Gewaltige, ringförmige Wälle bedeckt mit rostfreien Stahlstacheln. Eine Mischung aus Panzersperre und toter Evolution. Doch könnten die Maßnahmen die Menschen der Nachwelt davon abhalten die geheimnisumwobenen „Grabkammern“ der Altvorderen zu öffnen und den „Fluch der Pharaonen“ zu entfesseln? Würden die Warnungen die Neugier zukünftiger Menschen nicht erst recht anstacheln? Tatsache ist, dass Geheimnisse Menschen schon immer angezogen haben. Wahrscheinlich ist, dass sie dieselben Fehler machen würden, die wir gemacht haben. Sie würden die Büchse der Pandora öffnen.

Ein Merkmal haben alle Überlegungen zur Kennzeichnung von Endlagern gemeinsam: Sie wurden bisher nicht umgesetzt und im Chaos eines Zusammenbruchs würde niemand mehr an sie denken.

Um mich besser in die Situation der Bewohner des Salzstocks hineindenken zu können, entschloss ich mich zu einer Besichtigung des „Erkundungsbergwerks“.

Offizielles Erinnerungsfoto aus dem „Freizeitpark“ Gorleben:

Gruppenbild Salzstock

Ganz unten: „Undercover-Recherche“ im Erkundungsbergwerk Gorleben


Ich falle etwas auf, da ich zu spät kam und der einzige war, der noch am Helm rumfummelte, während der Rest der Gruppe schon über Druckausgleich und Bewetterung fachsimpelte.

Zur vorschriftsmäßigen Sicherheitausstattung jedes Besuchers gehören: Stahlkappenstiefel (besser zwei Nummern zu groß, als eine zu klein), schicker, einteiliger Overall in signalrot, (damit man im Stollenlabyrinth nicht verloren geht), Helm mit Kopflampe (ganz wichtig), ein praktisches Sauerstoffgerät im Handtaschenformat mit Atemluft für 20 min (allein der Weg im Fahrstuhl auf die 1000m Sohle hat 20 min gedauert) und ein Dosimeter. Kein Witz, ein Dosimeter, das die Strahlenbelastung in Millisievert anzeigt, der man während des Aufenthalts ausgesetzt ist. Und das, obwohl (offiziell zumindest) noch gar kein radioaktiver Abfall eingelagert wurde. Ich vermute, dass die Maßnahme eher der Beruhigung unserer Nerven dienen sollte. Um es gleich vorweg zu nehmen: Mein Dosimeter hat hinterher nichts angezeigt.

Weg zum Fahrstuhl

Gang zum Fahrstuhl


Der Weg zum Fahrstuhl erinnerte mich an Jodie Fosters Gang zur japanischen „Transportmaschine“ in ‚Contact‘. Ich weiß auch nicht warum.

Fahrzeug

Bohrkopffahrzeug

Im Salzstock herrschte hektische Betriebsamkeit und erstaunlich viel Verkehr. Es gab sogar Ampeln, an denen man als Fußgänger besser stehen blieb, wenn man nicht von Bohrkopffahrzeugen, Baggern oder Jeeps überrollt werden wollte.

Karte Salzstock

Karte des Salzstocks


Ich habe in ÖDLAND III nur die rote Ebene berücksichtigt, weil alles anderes zu kompliziert geworden wäre.

Die Werkstatt konnte praktischerweise an derselben Stelle bleiben, an der sie schon immer gewesen war, das Gewächshaus wurde im ehemaligen Lager errichtet, die Arbeitsräume wurden zur „Strandbar“ umfunktioniert, Dr. Maximilians Separee wurde im ehemaligen Tanklager (rechter Bildrand) erbaut, der allgemeine Wohnstollen wurde im Grubenwehrraum errichtet, der geschützte Bereich in der Bohrabteilung, im nach links oben führenden Stollen haben die Bewohner Krankenstation und Quarantäne untergebracht, aus der sogenannten „Füllortstrecke“ wurde der Versorgungsstollen mit Essensausgabe und Schwarzem Brett. Die gerade Verbindungsstrecke zwischen Bohrabteilung und Dr. Maximilians Refugium nannten die Bewohnern der dritten Generation „Hauptstollen“.

Messung des Salzflusses

Messung des „Salzflusses“


Obwohl es sich um Gestein handelt, ist der gesamte Untergrund in „Bewegung“. An Messpunkten auf „Stoßkanten“, lässt sich die „Strömungsgeschwindigkeit“ des Salzes ablesen. Sie ist nicht sehr stark, nur 0,1 bis 0,5 Millimeter im Jahr, doch im Laufe der Jahre summieren sich die Werte und nicht alle Stellen sind gleich schnell. Tektonische Bewegungen sind das Hauptproblem eines Endlagers im Salz.  Zugänge könnten in tausend Jahren z.B. einfach verschwunden sein.

Salzdunst

Salzdunst


Das rieselnde Salz bildete Dunstschleier, hindert aber nicht am Atmen. Tatsächlich wirkt es  therapeutisch und „reinigt“ die Lunge wie ein Solebad. Man darf nur die Flüssigkeitszufuhr nicht vergessen. Die geringe Luftfeuchtigkeit trocknet einen langsam aber sicher aus.

Salzstaub Mondlandschaft

Salzstaub auf dem Stollenboden


Feiner Salzstaub macht die Stollenböden zur Mondoberfläche.

Tafel Wettermessung

Wettermeßstelle 2.4



Atemluft wird von Wetterrohren in konstanter Geschwindigkeit durch die Stollen gedrückt.

Stollen+Wetter

Stollen und Wetterrohr

Werkstatt

Werkstatt + Versteck des INDU


In den Seitengängen der Werkstatt versteckt Mega den INDU.

Deich und Schwemmflächen II

Deich und Schwemmflächen


Wenn sie mitten im Februar mit den Söldnern wieder ins ÖDLAND aufbricht, herrscht tiefer Winter. Gefrorene Schwemmflächen und schneebedeckte Deiche säumen den Weg der Reisegruppe.

Überschwemmte Brücke im Eis

Überschwemmte Brücke am Ufer


Ewiger Winter. Endlose Stille.