Ergebnis der Abstimmung: Vorlagefotos für ÖDLAND IV Cover

An der Abstimmung zur Wahl der Fotos, die für die Entwicklung des ÖDLAND IV Covers als Vorlage dienen sollen, haben viele, nette Menschen teilgenommen und uns mit Rat und Meinung unterstützt. Die Auszählung an den jeweiligen Orten brachte folgende Ergebnisse:

Auf Facebook (LUCID DREAMS):   

  • 1),9) je 14 Stimmen
  • 12) 11 Stimmen
  • 13) 8 Stimmen
  • 2) 5 Stimmen
  • 3),4),6) je 4 Stimmen
  • 5) 2 Stimmen
  • 8),10) je 1 Stimme

Hier auf dem Blog:

  • 1) 6 Stimmen
  • 12, 13) je 2 Stimmen
  • 6),7),9),10) je 1 Stimme

Auf Facebook (Selfpublishing-Forum): 

  • 1) 14 Stimmen
  • 13) 5 Stimmen
  • 6) 4 Stimmen
  • 9) 3 Stimmen
  • 5),7),12) je 2 Stimmen
  • 3) 1 Stimme

Amtliches Endergebnis:                    

  • 1) 34 Stimmen
  • 9) 18 Stimmen
  • 12), 13) je 15 Stimmen
  • 6) 9 Stimmen
  • 2), 3) je 5 Stimmen
  • 4), 5) 4 Stimmen
  • 7), 10) je 2 Stimmen
  • 8) 1 Stimme
01 1540 Nessa Füße nach rechts misstrauisch

Platz 1: 01) Füße nach rechts misstrauisch

Klarer Gewinner und Favorit ist Foto Nr. 1). (34 von 114 Stimmen =  30 %) Das Verfolgerfeld ist abgeschlagen, aber die Plätze 2 – 4 kommen relativ dicht hintereinander ins Ziel. Foto Nr. 9) mit 18 Stimmen hat Platz 2 erobert (16 %), die Bilder 12) + 13) mit jeweils 15 Stimmen teilen sich den dritten Platz (je 13 %). Wir werden uns in unserer Arbeit am Cover an das Votum halten und uns auf die Plätze 1 – 3 konzentrieren. Das Cover von ÖDLAND IV wird sich an diesen vier Bildern orientieren.

Interessant finde ich, dass die ersten drei Plätze (wenn man die 13) mal als Platz 4 sieht) einen Gesichtsausdruck zeigen, der unmittelbar auf Hintergedanken und Hinterhalt schließen lässt. Ich glaube zwar, dass der (noch nicht vorhandene) Hintergrund diesen Eindruck verstärken kann, finde es aber sinnvoll und richtig die Hintergedanken bereits in der Figur erkennbar werden zu lassen.

11 1556 Nessa auf Kien misstrauisch

Platz 2: 09) auf Kien misstrauisch

Ich war mir in dieser Angelegenheit nicht sicher. Jetzt bin ich mir sicher. Für diesen Erkenntnisgewinn hat sich die Abstimmung bereits gelohnt. Viele Leser werden nur einen kurzen Blick auf das Cover werfen und den Hintergrund, der erst auf den zweiten Blick entschlüsselbar sein soll, möglicherweise gar nicht wahrnehmen. Es ist deshalb richtig und wichtig bereits mit der Figur eindeutig und nicht zu kompliziert zu kommunizieren.

Im nächsten Schritt wird der Coverdesigner Colin M. Winkler erste Skizzen anfertigen mit denen wir uns in Richtung Komposition und fertiges Cover vortasten werden. Ich poste sie zu gegebener Zeit an dieser Stelle.

Platz 3: 12) Schneidersitz böse

15 1572 Nessa Rücken Blick links

Platz 3: 13) Rücken Blick links

 

 

Fotoshooting für ÖDLAND IV Cover

17-06-20 Nessa Bein nach rechts böse 01

Louise Kappius als Nessa

Im Juni habe ich an der 3. Überarbeitung von ÖDLAND IV weitergearbeitet und Kapitel 49 (von 71) erreicht. Wir liegen damit weiter im Zeitplan. Außerdem konnte ich im Juni endlich das lang geplante Fotoshooting für das ÖDLAND IV Cover realisieren.

Nach Sichtung der Vorschläge von Berliner Kindercastingagenturen und einer Reihe von Vorgesprächen mit Kandidatinnen und ihren Müttern habe ich mich schließlich für Louise Kappius von der Agentur KINOKIND (Beate Kurecki) entschieden. Sie gehörte von Beginn an zu meiner engeren Auswahl. Testfotos konnten mich schließlich überzeugen.

17-06-22 Patinierdienst

Patinierdienst

Sie besitzt die Verletzlichkeit und die Wandlungsfähigkeit, die ich mir für die Figur Nessa gewünscht habe.

Nachdem die Rolle besetzt war, konnte ich mich um das Kostüm kümmern. Louise besaß eine Reihe ausrangierter Kleider. Wir entschieden uns für ein weißes Kleid, was im nächsten Schritt auf alt getrimmt werden musste.

17-06-22 Kostümprobe

Kostümprobe

Es sollte nicht zu dreckig und zerschlissen aussehen, denn Nessa achtet in der Geschichte auf ihre Sachen, wäscht das Kleid regelmäßig mit Pfützenwasser und repariert es mit Klebeband. Für schmutzige Kostüme gibt es in Berlin eine Spezialistin: Sabine Kubat vom PATINIERDIENST.

17-06-22 Kostüm mit Patina

Kleid mit Patina

Wer sein Kostüm in einem vorher genau definierten Grad professionell patinieren lassen möchte, der ist bei ihr an der richtigen Adresse. Von ihr stammt die Idee, dass die Kinder ihre Kleidung mit Klebeband reparieren, außerdem hat sie die Knöpfe ausgetauscht und große und kleine hinzugefügt.

Model und Kostüm waren organisiert, fehlte nur noch die Location. Dieser Punkt entpuppte sich als schwieriger, als zunächst gedacht. Ich hatte eine Reihe von Orten im Kopf, an denen ich bereits Shootings gemacht hatte. Unter anderem die verfallene Brauerei, in der die Fotos für das ÖDLAND I Cover entstanden sind. Das Problem: Für verfallene Gebäude gibt es in den meisten Fällen keinen Ansprechpartner. Niemand fühlt sich zuständig und im Zweifelsfall überwiegen Sicherheitsbedenken. Eine Genehmigung zu bekommen ist so gut wie aussichtslos.

17-06-22 Außen 03

Rundlokschuppen, Blick von der Autobahn, Foto: J. Schallenberg

Die Suche in Friedrichshain blieb ergebnislos. Schließlich verabschiedete ich mich von der Idee des ranzigen Hinterhofs und dehnte meine Recherche auf ganz Berlin aus. Unter anderem sah ich mir das Kinderkrankenhaus Weißensee (Hansastr. Ecke Buschallee) an. Hier gab es die Durchblicke, nach denen ich suchte, doch der verfallene Komplex ist extrem marode und eher eine Halde, als eine Location.

Schließlich entschied ich mich für den alten Rundlokschuppen am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf. Seit ich in Berlin lebe, (immerhin bereits seit 15 Jahren,) denke ich, jedes Mal, wenn ich auf dem Autobahnzubringer Berlin in Richtung Norden verlasse, (oder von dort zurückkomme,) dass ich mir dieses geheimnisvolle, runde Gebäude endlich mal aus der Nähe ansehen will.

17-06-22 Außen 01

Zugewachsener Lokschuppen

Gedacht, getan. Fünfzehn Jahre später stand ich also vor dem alten DDR-Rundlokschuppen, der ein Drehkreuz zum Rangieren und Platz für zweihundert Lokomotiven hat. Mindestens. Das Ding ist gewaltig.

Ich hatte zunächst Bedenken, was den Zugang zur Halle angeht, doch das Tor steht offen und sämtliche Zäune, die den Schuppen mal umgeben hatten, waren entfernt worden. Man konnte problemlos mit dem Auto vorfahren.

Der Sonntag des Shootings nahte. Das Wetter war perfekt, wolkenlos und windstill. Nachdem Louise, ihre Mutter Judith und Sarah Huzel, die Maskenbildnerin, eingetroffen waren, habe ich das Equipment durch ein offenes Fenster in die Halle gewuchtet.

17-06-22 Set

Set mit 20 x 20 Butterfly, Foto: J. Schallenberg

Mit einem 20 x 20 Butterfly nahm ich dem Sonnenlicht die Härte. Ein Reflektor sorgte für Aufhellung und Augenlicht.

Sarah Huzel, die Maskenbildnerin, passte das Kind in Schmutzigkeit und Farbton an das präparierte Kleid an, während sich Louise selbstständig mit einem Eyeliner kryptische Tattoos auf die Finger malte.

Ich begann das Shooting mit einer Reihe von Details: Hände, Füße, kaputte Stellen am Kleid und ungewöhnlichen Perspektiven, die auf dem Cover nicht zu sehen sein werden, aber für die Arbeit des Coverdesigners Colin M. Winkler wichtig sind. Auf ihnen werden Texturen besser sichtbar, wie z.B. die des Kreidepulvers auf der Haut.

17-06-22 Louise in der Maske

Louise in der Maske

Im Anschluss machte ich Fotos in allen Körperhaltungen und Emotionen, die uns interessant erschienen. Von lauernd bis verlassen. Ich bin noch unentschlossen, was den Ausdruck angeht, der am Ende auf dem Cover von ÖDLAND IV zu sehen sein soll. Ein drohender Blick ist spannend, aber die dargestellte Figur soll nicht unsympathisch wirken. Es geht eher um Verlorenheit, das Gefühl der Schutzlosigkeit und die Gewissheit sich auf niemanden verlassen können. Die hinterhältigen Tricks verwilderter Kinder in der Stille der Nachwelt.

17-06-22 Maske Sarah Huzel

Maskenbildnerin Sarah Huzel

Hatten wir die Halle in den ersten Stunden noch für uns, begann am Nachmittag ein wahrer Ruinentourismus. Parallel zum Shooting beschallte uns eine Gruppe mit übersteuerter Musik, während eine andere eine Choreografie für ein Musikvideo probte. Ein dritter Personenkreis gab sich Nachhilfe in tantrischen Fesselkünsten. Das passte alles nicht so wirklich zusammen, war aber erstaunlich unproblematisch.

Im Vorfeld bereiteten mir diverse Dinge Sorgen: Wird das Tor der Location wirklich offen sein? Kommt die Maske auch pünktlich? (Langer Anfahrtsweg.) Ist das Kind gesund? (Am Tag vorher noch im Krankenhaus.) Etc. Im Nachhinein stellten sich meine Bedenken als unbegründet heraus. Alles klappte wie am Schnürchen und ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich. Ich möchte mich bei allen Beteiligten noch einmal ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken.

17-06-22 Louise mit Stern

„Folge dem Stern!“ Foto: J. Schallenberg

Ich werde die Fotos in den kommenden Wochen an dieser Stelle posten. Als treueR ÖDLAND-LeserIn kannst Du uns wieder bei der Covergestaltung unterstützen und uns Deine Meinung zu den Fotos sagen.

Fotoshooting ÖDLAND IV Cover:

  • Agentur: KINOKIND Beate Kurecki
  • Patinierung Kostüm: PATINIERDIENST Sabine Kubat
  • Location Scout: Boris Kraschin
  • Maske: Sarah Huzel
  • Equipment: LFB Lichtforum Berlin
  • Location: Rundlokschuppen S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf
  • Set Fotos: Judith Schallenberg
  • Model: Luise Kappius
  • Produktion / Fotos: LUCID DREAMS Christoph Zachariae
17-06-22 Maschine

Maschine im Lokschuppen

ÖDLAND Viertes Buch Viktoriastadt Status Dez. 2017

Arbeitet man konzentriert an einer Geschichte wie ÖDLAND, vergeht die Zeit wie im Flug. Überrascht war ich trotzdem, als ich vor Kurzem (vor zwei Wochen) in den Kalender sah und feststellen musste, dass das Jahr schon wieder rum ist. Nach kurzer Panik überwog die Zuversicht. Das Ziel, die Beendung der ersten Fassung von ÖDLAND IV, rückt jeden Tag näher. 😀

Setzt man die Kapitel des letzten Monats (8) in Relation zur Menge der geschriebenen Seiten (160), erkennt man, dass der bearbeitete Abschnitt kompliziert war. Immer wenn es Zusammenhänge zu klären gibt, neige ich zur Ausführlichkeit, habe ich den Wunsch jedes Detail so genau wie möglich zu beleuchten, um keine Querverbindung zu übersehen. Die Vorgehensweise hat den Vorteil, dass man hinterher gut streichen und den Kern der Geschichte wunderbar herausarbeiten kann, aber sie ist zweifellos zeitraubend.

Wo sind wir? Der Showdown ist beendet und die Erzählung ist nun in eine Phase eingetreten, die Aftermath genannt wird. Es wird wieder etwas ruhiger und Mega bekommt Zeit zum Nachdenken. Was natürlich nicht heißt, dass es nun ungefährlich wäre. Ödland bleibt Ödland. Und das Ödland ist kalt, dunkel und tödlich.

Wie viele ÖDLAND-Bücher wird es geben? createspace hat ein Seitenlimit abhängig vom Schriftschnitt. Der Coverdesigner Colin M. Winkler, der auch das Cover von ÖDLAND IV gestalten wird, hat ausgerechnet, dass wir bei gegebenem Schriftbild auf ein Maximum von 820 Seiten kommen. Aufgrund von technischen Vorgaben kann ein bei createspace veröffentlichtes Buch nicht länger werden. Da wir aber schon 1282 Seiten haben und ich ein Freund klarer Zuordnungen bin, (Inhalt E-Book = Inhalt Taschenbuch), kann ich also jetzt zuverlässig sagen, dass es einen fünften ÖDLAND-Roman geben wird: ÖDLAND Fünftes Buch Viktoriastadt Teil 2. 😀

Mit dieser frohen Botschaft wünschen LUCID DREAMS und Christoph Zachariae Dir entspannte Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017.

Schreibstatistik: Im Zeitraum Nov. / Dez. 2016 habe ich 160 Seiten geschrieben, sie in 8 Kapitel unterteilt und damit 84% der ersten Fassung von ÖDLAND IV erreicht. Durchschnittliche Kapitellänge: 13,35 Seiten. Geschätzte Länge 1. Fassung: 1535 Seiten.

Schreibstatistik ÖDLAND IV im Überblick:

Links zu den Büchern der ÖDLAND-Reihe:

Gesehen: Take Shelter

Take Shelter 

Buch & Regie: Jeff Nichols, Cast: Michael Shannon, Jessica Castain, Shea Whigham


Ein ruhiger Film, der in seiner Langsamkeit eine unwiderstehliche Sogwirkung entfaltet. Die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm ist in jeder Einstellung spürbar. Aufziehendes Unheil scheint sich genau wie das Regenwasser langsam zu rostbraunem Brei zu verdicken und die Bewegungen der Haupfigur zu behindern, bis die Schreckensvision des tödlichen Sturms sie vollkommen gefangen hält. Es geht nur noch nach unten, in den Sturmschutzbunker, der letzten Zuflucht in einer auf den Fugen geratenen Welt und selbst dort kann die gestrandete Familie nur mit Gasmasken überleben.

Curtis (Michael Shannon), dem schweigsamen Antihelden möchte man gern glauben, dass er seine stumme Tochter Hannah (Tova Steward) liebt und sich nach der Nähe seiner zerbrechlichen Frau (Jessica Castain) sehnt, doch er bewegt sich zögernd durch sein Haus, scheint es jedes Mal neu erkunden zu müssen, wie ein Fremdkörper, als wäre er gerade aus einem Alptraum erwacht und könnte nicht mehr in der Realität zurückfinden.

Und tatsächlich sind es Curtis Alptäume, die das Unheil gebähren, es real werden lassen und ihn seiner Familie entfremden. Angefangen mit seinem Hund, der ihn im Traum angreift, den er daraufhin aus dem Haus verbannt und schließlich sogar verschenkt, bis hin zu seiner Frau, die im Traum zu einem fremden Wesen wird, zu einer seltsamen Kreatur, die er nicht mehr versteht, vor der er fortan Angst hat.

Curtis versucht sich helfen zu lassen, doch den Spezialisten kann er sich nicht leisten und der  staatliche Notdienst wechselt ständig und interessiert sich nicht für seine Probleme. Die letzte Hoffnung zerplatzt, als Curtis seinen Job verliert und er sich mit seinem Freund und Arbeitskollegen Dewart (Shea Whigham) überwirft.

Keine Hoffnung, kein Entkommen. Aus Liebe folgt Ehefrau Samatha ihrem Mann in den Wahnsinn, klettert in den Sturmschutzbunker hinab, folgt beflissen seinen Anweisungen und setzt sich und ihrer stummen Tochter die Gasmasken auf.

Take Shelter ist gleichsam intellektueller Überbau und Kommentar zur Endzeit- und Dystopiewelle. Wurde ihr bereits vor Jahren das Ende prophezeit, erfreut sie sich noch immer wachsender Beliebtheit. Das hat vorallem damit zu tun, dass die uramerikanische Angst vor dem Wegfall der Zuversicht, vor dem Verschwinden des Pioniergeistes, eine sehr reale, vielschichtige Bedrohung spiegelt, die sich, wie ein unlöschbarer Schwelbrand schleichend zur Oberfläche durchfrisst.

Auf das, was jahrzehntelang gut war und Orientierung gab, Kredite aufnehmen, unbeschwert über die Verhältnisse leben, ist plötzlich kein Verlass mehr. Doch die Erkenntnis dringt nur langsam in die Köpfe ein. Die unangenehme Wahrheit, dass man sich möglichweise in Zukunft wird einschränken müssen, dass das Credo vom endlosen Wachstum eine Lüge sein könnte, ist so fundamental und so verstörend vorallem für Amerikaner, die sich zu 100% auf diese Wahrheit verlassen haben, dass es noch lange dauern wird, bis sie den Menschen keine Angst mehr machen wird.

Take Shelter ist ein hervorragender Film. Nicht jedermanns Sache, da es keine Action gibt und man sich auf den Film einlassen muss. Ich schrecke nur deshalb davor zurück ihn ein Meisterwerk zu nennen, weil ich hoffe, dass wir von Jeff Nichols noch viele gute Filme sehen werden.