Leipziger Buchmesse 2019 – Ein Rückblick

LUCID DREAMS und ÖDLAND waren in diesem Jahr wieder mit einem kleinen Stand auf der Leipziger Buchmesse vertreten.

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C. Zachariae, ÖDLAND-Lesung auf der LBM 2019

Die Standgröße (2 m²) ist die kleinstmögliche und Selfpublishern vorbehalten. Kleinverlage können sie nicht buchen. Kann ich die Standgröße empfehlen? Kann ich als Selfpublisher die Anwesenheit auf der Buchmesse überhaupt empfehlen? Wie fällt meine Bilanz aus?

Was habe ich mit dem Verkauf von Büchern verdient und für Standmiete, Übernachtung, Parkgebühren, etc. ausgegeben? Wenn ich die reinen Zahlen betrachte, fällt das Fazit ernüchternd aus, dann habe ich Minus gemacht. Ein Überschlag:

Kosten:

  • 495 € Standmiete (2m² inkl. Standbau und „Medienpauschale“, Early-Bird-Rabatt)
  • 327 Druck Bücher
  • 207 € Druck Postkarten
  • 60 € Druck Poster
  • 184 € Hostel (Doppelzimmer, 3 Nächte)
  • 26 € Fahrtkosten (halbe Tankfüllung, Berlin-Leipzig und zurück)
  • 24 € Parkgebühren (4 Tage)
  • 18 € Zahnstangenschloss (nicht im Standbau enthalten)

Gesamt:

  • 1341 €

Einnahmen aus Buchverkäufen:

  • 558 €

Das entspricht einem „Minus“ von 783 €. Aber darf man die nackten Zahlen eines Messeauftritts beurteilen? Welchen „Wert“ haben die Kontakte, die man knüpft und pflegt? Die Begegnung mit Leserinnen und Lesern ist nirgendwo so ehrlich wie auf der Leipziger Buchmesse. Es ist genau dieser „direkte Draht“ für den sich die Anwesenheit auf der Messe lohnt und der „wertvoller“ ist, als 783 €.

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Christoph Zachariae vor ÖDLAND-Stand, LBM 19

Einige Messebesucher hielten mich z. B. für einen Verkäufer, weil sie nicht davon ausgingen, dass sich der Autor persönlich von morgens bis abends an den Stand stellt. Neue Interessenten standen neben LeserInnen, die die Reihe bereits kannten und fragten sie, ob sie die ÖDLAND-Bücher empfehlen könnten. Da ich nur „Verkäufer“ war, bekam ich in diesen Momenten ungefiltertes Feedback. Zu meiner Freude fiel es positiv aus. 😀 Solche Begegnungen sind nur auf der Leipziger Buchmesse möglich.

Hört sich positiv an. Kleiner Stand, trotzdem Publikum. Aber es gibt Faktoren, die man berücksichtigen muss, bevor man sich für einen Selfpublisher-Stand entscheidet. Da ist z. B. die ungünstige Lage der Selfpublisher-Ecke, die meiner Meinung nach von der Messe mit voller Absicht so geplant wurde. (Nach dem Motto: Ministände müssen Nachteile haben, damit nicht alle Selfpublisher diese Standgröße buchen.)

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Selfpublisher-„Ecke“ in Halle 5, LBM 19

Wie man an der Skizze erkennen kann, liegen die kleinen Stände nicht am Laufweg (grün), sondern bilden eine Bucht hinter (!) dem Publikum der Selfpublisher-Lesungen. Laufkundschaft verirrte sich entsprechend selten in die Ecke. Man musste sich in den Besucherstrom stellen, Passanten direkt ansprechen und sie zum Stand locken, wie ein Anreißer vor dem Restaurant. Das funktioniert, aber es ist offiziell nicht erlaubt. (!) Offiziell darf man nur vor seinem Stand Flyer verteilen. (!) Als Selfpublisher ist man gezwungen gegen die Messerichtlinien zu verstoßen, weil sonst nicht genug Leute zum Stand kommen. Es gibt immer Menschen, die sich Standnummern notieren, aber die sind in der Unterzahl. Entscheidend ist das Laufpublikum und das läuft an den Selfpublishern, im wahrsten Sinne des Wortes, vorbei. Hinzu kommt, dass der Verkauf von Büchern direkt am Stand nur am Sonntag erlaubt ist. (!) Möchte man an allen vier Tagen verkaufen, muss man die mobilen Kassen der Messe nutzen und 38% der Einnahmen abtreten. In Worten: Achtunddreißig Prozent. (!) Das muss man wissen, bevor man sich für einen 2 m²-Stand in der Selfpublisher-Ecke entscheidet.

Zusammenfassend kann man sagen, ein Messeauftritt ist Werbung und Werbung kostet Geld. Buchverkäufe sind Luxus. LeserInnen sehen ein Buch und wollen es gern mitnehmen und diesen Wunsch sollte ein Verlag erfüllen. Aber Buchverkäufe können den Messeauftritt nicht refinanzieren. Ich vermute, dass die Verhältnisse bei großen Verlagen nicht anders sind. Große Stände verkaufen möglicherweise mehr Bücher, aber die Standmiete ist entsprechend höher und sie sind deutlich personalintensiver.

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B. Braun und C. Zachariae vor ÖDLAND-Stand, LBM 19

Vielen Dank an alle LeserInnen und Leser, die uns in Halle 5 gefunden haben. Tatkräftig unterstützt wurde ich in diesem Jahr von der Bloggerin und Autorin Becca Braun, von der auch die Fotos stammen. Sich aufteilen und mit mehreren Interessenten gleichzeitig sprechen zu können, war eine der besten Erfahrung, die ich auf der diesjährigen Messe gemacht habe. Es hat uns so gut gefallen, dass wir in Erwägung ziehen nächstes Jahr in Halle 2 zur Fantastik umzuziehen. Dann wären wir endlich, wo wir hingehören. 😀

Sehr gefreut hat mich, dass auf der ÖDLAND-Lesung am Sonntag alle Plätze belegt waren und sogar Passanten stehen geblieben sind, um Megas Abenteuern zu lauschen. Meine bis dato bestbesuchte Lesung, was mich sehr glücklich gemacht hat.

Hier ein paar Eindrücke von der Messe:

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Zweiten Messetag überlebt. Platt aber glücklich. Viel nette Blogger- und LeserInnen kennengelernt und alte Bekannnte getroffen. U.a. Menschen, die mir und ÖDLAND seit meinem ersten Messejahr 2013 die Treue halten. 😃 Ich bin sehr geehrt, dass die ÖDLAND-Reihe nun auch in der Stadtbibliothek Calau ein Zuhause gefunden hat. @vikistraumwelt @sarah_buecherwurm @wunderbar_im_norden @stadtbibliothekcalau @mavetastisch @buch_cover_design @melanieneubert_autorin @freya_rue_york @dreamsbooksandfantasy mit Andreas bunter Büchergarten #lbm2019 #leipzigerbuchmesse #leipzigerbuchmesse2019 #buchmesse #lesen #schreiben #buchblogger #bookstagram #bookstagrammer #bücherliebe #taschenbuch #ödland #ebook #endzeit #dystopie #weltuntergang #wasteland #postkarten #postapokalypse #posterdesign #autorenleben #selfpublishing

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ÖDLAND V + LBM 2019

Für mich als Autor endet heute die Arbeit an ÖDLAND V. Die ÖDLAND-Reihe ist damit abgeschlossen. Zählt man die Entwicklung der Storyline 2011 dazu, habe ich die letzten acht Jahre mit Mega, Hagen und Mark verbracht. Im ersten Jahr mit Pausen, danach vier Stunden täglich an fünf Tagen in der Woche. Es ist ein seltsames Gefühl nach dieser langen Zeit zu sagen: Die Geschichte ist erzählt, ÖDLAND ist beendet. Aus einem Test, einem Abenteuer, in das ich mich aus Neugier stürzte, wurde das bisher umfangreichste Projekt meines Lebens.

Kinder wurden geboren und sind nun acht Jahre alt, Internet-Startups wurden groß und verschwanden wieder, Präsidenten wurden gewählt und verschwanden wieder, während ich schrieb und schrieb und schrieb. Ich habe gelesen, dass sämtliche Zellen im menschlichen Körper alle sieben Jahre vollständig ausgetauscht werden und der Alterungsprozess einsetzt, weil dieser Austausch irgendwann nicht mehr richtig funktioniert. Es gibt in meinem Körper also keine Zellen mehr, die sich noch an den Anfang, an die erste ÖDLAND-Idee erinnern. Auch sie kennen sie nur aus Erzählungen. Nebelumwoben war der Beginn, rau und mythisch.

Im Februar 2019 geht ÖDLAND V ins finale Korrektorat zu Claudia Heinen, unmittelbar danach (Anfang März) in die E-Book-Konvertierung zu Michael Lentz. Parallel arbeitet Colin M. Winkler am Cover des fünften Buches. Mitte März sollte der Veröffentlichung des E-Books zur Leipziger Buchmesse 2019 nichts mehr im Wege stehen. Das Taschenbuch folgt im Mai 2019.

Wenn ich schreibe, dass die Arbeit des Autoren beendet ist, stimmt das natürlich nicht so ganz. (Richtig loslassen, werde ich vermutlich nie.) Ich habe mir vorgenommen, nach der Veröffentlichung des fünften Buches noch einmal von vorn zu beginnen für eine überarbeitete Gesamtausgabe. Alle fünf Bände in einem E-Book inkl. ÖDLAND-Almanach mit sämtlichen Figuren, Fraktionen und Handlungsorten und im Anhang diversen „deleted scenes“, Kapiteln, die es nicht in die finalen Bücher geschafft haben.

LUCID DREAMS auf der Leipziger Buchmesse 2019:

Christoph Zachariae und ÖDLAND werden auch in diesem Jahr wieder mit einem eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse vertreten sein. In Halle 5 im Rahmen der Autorengemeinschaftspräsentation: Stand D308.

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LUCID DREAMS auf der LBM 2019: Halle 5, D308

Betrachtet man den Plan der Halle 5, gibt es in der Mitte des unteren Randes einen hässlichen, schwarzen Fleck. Die Selfpublisher sind quasi die Favela der Leipziger Buchmesse. Wer keine Angst hat, mit den Schmuddelkindern zu spielen, der ist herzlich eingeladen LUCID DREAMS auf der Messe zu besuchen. Es gibt Bücher zu Messepreisen, Poster und Postkarten.

Wer Lust hat, kann sich schon den Termin der ÖDLAND-Lesung vormerken. Ich lese ein Kapitel aus dem ersten Band und stelle den fünften Band vor. Die ÖDLAND-Lesung auf der LBM 2019 findet am Sonntag, den 24.03.2019 von 13:00 – 13:30 Uhr statt, auf der Bühne der Autorengemeinschaftspräsentation. Ich freue mich, Dich dort zu sehen.

Colin M. Winkler hat mir den überarbeiteten Entwurf des Covers zugeschickt, den ich Dir nicht vorenthalten will. Es handelt sich um ein sehr frühes Stadium, aber vielleicht erkennt man schon, welcher Ort der ÖDLAND-Erzählung dargestellt werden soll.

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Überarbeiteter Entwurf ÖDLAND V Cover