Autoren-Steckbrief Christoph Zachariae

Stephie Schnuppe (aufmerksamen Lesern auch bekannt als ÖDLAND III Testleserin) hat mich kurz nach der Veröffentlichung von ÖDLAND I für ihren Blog ‚Lies und Lausch‘ interviewt.

Bloggerin & Testleserin Stephie Schnuppe

Stephies wundervolles Mitbringsel


 

Da ‚LIES und LAUSCH‘ aus organisatorischen Gründen eingestellt werden musste, verschwand Stephies netter Autoren-Steckbrief über Nacht im Nirwana des Internets. Deshalb poste ich ihn hier noch einmal.


AUTOREN-STECKBRIEF Christoph Zachariae

Stephie: Wie kamst du zum Schreiben?

Christoph: In der zehnten Klasse hatte ich einen eigenwilligen Religionslehrer. Er forderte uns auf Geschichten zu schreiben, wollte aber kein Thema vorgeben. Ich ging mit Feuereifer an die Arbeit, was im Religionsunterricht eher selten vorkam. Am Ende der Stunde haben wir vorgelesen. In der Pause geschah das Wunder: Mitschüler kamen zu mir und lobten meine Geschichte, einfach so, ohne dass jemand sie dazu aufgefordert hätte. Ich war sehr aufgeregt. Als ich nachmittags mit dem Fahrrad nach Hause fuhr schien die Sonne und der Himmel war klar und endlos.

Stephie: Warum gerade eine Dystopie?

Christoph: Als Kind sah ich den Film ’The Day After’. Er hat mich schockiert und verstört. Seitdem bin ich fasziniert vom Genre Endzeit. Dort ist alles existentiell reduziert, der Spielraum eingeengt. Die Entscheidungen der Figuren haben unmittelbare Auswirkungen auf ihr Leben. Im Herzen der Dystopie liegt außerdem immer eine starke, romantische Melancholie. Die Sehnsucht nach einer besseren Welt, die es nie geben wird, weil Menschen nun mal so sind, wie sie sind. Endzeit vereint Romantik, Melancholie und Gewalt auf eine Art und Weise, der ich mich nicht entziehen kann.

Stephie: Woher nimmst du deine Ideen?

Christoph: Inspirationen kommen aus Büchern, Comics, Filmen und Videospielen.

Stephie: Wo schreibst du?

Christoph: Am Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer. Zwei alte Seitenteile, Erbstücke von der Großtante, auf denen eine schlichte Arbeitsplatte liegt. Ich brauche Platz und Ruhe. Für mich gibt es nichts Schrecklicheres als Großraumbüros. Menschen, die mit Laptops in Cafés sitzen, tun dies nicht, um zu arbeiten. Selbst Besprechungen in der Öffentlichkeit finde ich anstrengend.

Stephie: Wann schreibst du?

Christoph: Nachmittags, wenn mein Kopf frei ist. Schreiben ist nichts was auf Abruf funktioniert. Ich brauche immer eine gewisse Zeit um „warm“ zu werden. Mehr als vier Stunden am Stück schaffe ich meistens nicht. Irgendwann lässt die Konzentration nach. Dann ist es besser aufzuhören.

Stephie: Computer oder Kugelschreiber?

Christoph: Definitiv Computer. Alles andere ist unpraktisch. Meinen ersten (unvollendeten) Fantasyroman habe ich noch mit der Hand geschrieben. Immerhin 414 Seiten. Ich hatte jedoch keinen Plan, keine Outline und wusste nicht wo ich hin will. Seitdem entwickle ich, bevor ich mit der Ausarbeitung beginne, immer erst ein grobes Handlungsgerüst.

Stephie: Schreiben ist für dich…?

Christoph: Lebenswichtig. Selbst im Urlaub, wenn ich eigentlich entspannen sollte, kann ich nicht anders. Ob in den Tropen, oder in Norwegen. Ich zwinge mich inzwischen dazu mindestens einen Tag in der Woche NICHT zu schreiben, weil ich gemerkt habe, dass es mich körperlich zu sehr mitnimmt, wenn ich zwischendurch nicht abschalte. Die Zwangspausen wirken Wunder. Der freie Sonntag ist eben auch für Autoren eine sehr vernünftige Einrichtung.

Stephie: Das Lieblingsbuch als Kind/Lieblingsbuch heute?

Christoph: Als mein Bruder und ich klein waren hat meine Mutter uns ’Der kleine Hobbit’ und ’Der Herr der Ringe’ vorgelesen. Sie hat uns die Namen erklärt und uns erinnert: „Das ist Arwen, die Elbin, die kam in Elronds Haus schon mal vor.“ Sie kannte die Bücher auswendig und ist eine prima Vorleserin. Fernsehen wird plötzlich sehr uninteressant, wenn man als achtjähriger der Schlacht vor den Toren von Minas Tirith lauschen und erleben darf, wie Eowyn, eine sterbliche Menschenfrau den Fürst der Nazgul, den Hexenkönig von Angmar erschlägt. Heute ist ’Der Herr der Ringe’ noch immer ein wichtiges Buch für mich, doch es gibt viele andere Bücher, die ich ebenfalls liebe. Dazu gehören ’Krabat’, ’Das Parfum’ und ’Unten am Fluss’ aber auch ’Picknick am Wegesrand’, ’Snowcrash’ und ’Ubik’.

Stephie: Lieblingsautor?

Christoph: Früher war es Steven King. Heute ist es Philip K. Dick.

Stephie: Was bringt dich zum Lachen?

Christoph: ’Big Bang Theory’ finde ich sehr lustig, weil ich mich da prima wiederfinden kann. Bevor meine Studieninhalte an der Filmakademie Ludwigsburg etwas praktischer wurden, habe ich in Bochum Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften studiert. Das hochgestochene Akademikergeschwafel unterscheidet sich nur in den Fremdworten, läuft aber immer auf dasselbe hinaus: „Ich bin schlauer als du.“ Und genau wie die Jungs aus Big Bang Theory hingen wir in der Realität in Comicläden und Videotheken herum und haben Star Wars Bausätze gekauft, um sie nicht auszupacken.

Stephie: … und zum Weinen?

Christoph: Ich bin nah am Wasser gebaut. Als Person, die ergreifende, traurige Geschichten mag und schreiben möchte, ist es wichtig, emotional zu reagieren. Geschichten, die ich liebe sind deshalb meistens Geschichten, die mich zu Tränen gerührt haben.

Stephie: Wie oft googelst du deinen Namen?

Christoph: Mit LUCID DREAMS bin ich quasi auch als „Verleger“ tätig und muss prüfen ob Pressemeldungen aufgegriffen wurden, oder ob irgendwo etwas geschrieben wurde. Sich selbst zu googlen ist heutzutage notwendig, um die Außenwahrnehmung abschätzen zu können. Man sollte wissen, was es da zu finden gibt.

Stephie: Dein Lieblingsfilm?

Christoph: Ich mag ’Stalker’ von Tarkovskiy und ’Aliens’ von Cameron. Ich mag die bösen Filme der 70er, wie ’Wer Gewalt sät’ von Peckinpah und ’Beim Sterben ist jeder der Erste’ von Boorman und die bösen Filme der Gegenwart, wie ’Eden Lake’ und ’High Tension’. Ich liebe ’Donnie Darko’, ’Stand by me’ und ’Paris, Texas’ von Wim Wenders.

Stephie: Liebstes Reiseziel?

Christoph: Australien. Ich war zwei mal dort. 2001 und 2006. Es gibt nichts cooleres, als mit einem V8 Automatik die Great Ocean Road hinunter zu fahren.

Stephie: Hast du Hobbys?

Christoph: Wenn ich es zeitlich einrichten kann zocke ich gern. Die Zeiten in denen Leute mit der Stirn runzelten sind zum Glück vorbei. Viele Innovationen gehen heute von Computerspielen aus, weil man mit ihnen ganz hervorragend Geschichten erzählen kann. Branchengrößen wie Alex Garland schreiben inzwischen für Computerspiele. Im besten Fall sind sie anderen Medien überlegen.

Stephie: Drei Dinge, ohne die du verloren wärst?

Christoph: Kaffee, meine Lektorin, das limbische System.

Stephie: Deine Stärken?

Christoph: Ich kann zuhören (wenn ich will) und habe Ideen (auch wenn ich nicht will).

Stephie: Deine Schwächen?

Christoph: Ab und zu etwas verpeilt, zu selbstkritisch, manchmal zu arrogant. Das passt jetzt nicht zusammen und genau das ist das Problem.

Stephie: Etwas, worauf du stolz bist?

Christoph: Als Autor von Darkside Park 1 Episode 3 ’Der Gesang der Ratten’ dazu beigetragen zu haben, dass Nana Spier den Preis als beste Sprecherin auf dem Ohrkanus 2010 gewinnen konnte. Das hat mich sehr gefreut, weil sie ihre Sache toll gemacht hat und weil es mein erster Ausflug in die Hörbuchbranche war.

Stephie: Ein besonders schöner Tag deines Lebens?

Christoph: Es gab tatsächlich einen schönen Tag in meinem Leben. Ich war ein kleiner Junge, lag unter einen Baum im Gras und sah in den Himmel hinauf. Ich lag einfach da und hörte den Bienen zu. Rückblickend habe ich das Gefühl, dass ich den ganzen Tag dort gelegen habe, doch es waren wahrscheinlich nur ein paar Stunden. Doch in dieser Zeit wurde mir einiges klar. Später habe ich einen Kurzfilm über meine Erkenntnisse gedreht. Er hieß: ’Als ich die Welt verstand’. Inhalt: Die Eltern eines kleinen Jungen sind Außerirdische. Sie quälen ihn mit gesundem Essen und machen eigenartige Experimente mit ihm.

Stephie: Der wichtigste Mensch?

Christoph: Meine Mutter. Weil sie mich von Anfang an unterstützt und mich immer motiviert hat und weil sie eine Außerirdische ist.

Stephie: Hast Du eine Art Lebensmotto?

Christoph: „Der Weg ist das Ziel. Wenn das Ziel fern ist, ist der Weg lang.“ Konfuzius

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